15 März 2016 ~ 1 Kommentar

Gadgets aus China: Meine Erfahrungen mit Banggood, Alibaba und DX

Ich kann es schon gar nicht mehr genau sagen, aber ich dürfte schon ein paar gute Jahre Fan von diversen China-Gadget Onlineshops sein. Inzwischen sind Namen wie DX, Banggood oder Alibaba (bzw. Aliexpress) wahrscheinlich nicht mehr nur Nerds wie mir bekannt, sondern dürften sich zumindest allmählich herumsprechen. Es gibt noch allerlei mehr, aber ich habe mich bislang an diese drei gehalten und kann daher auch nur etwas über diese sagen.

Was ich dort nicht schon alles für schmales Geld gekauft habe! Ultrahelle LED-Taschenlampen für fünf Dollar, tonnenweise Adapter aller Art für gefühlt fast umsonst (darunter auch diverse Apple-Adapter), Bluetooth-Kopfhörer für 13 Dollar, Xiaomi Powerbank mit 10000 mAh für 13 Dollar, Nintendo Stofftiere oder SNES Controller… ach, die Liste ist lang. Und das alles auch noch versandkostenfrei nach Deutschland, selbst wenn der Bestellwert nicht einmal fünf Dollar betrug. Echt verrückt. Klar, dafür darf man auch mehrere Wochen warten und hat ab und zu auch mal mit dem Zoll zu tun, aber das ist alles halb so wild.

Was muss ich Zoll-technisch beachten?

Das Zoll-Thema gleich mal vorab in aller Kürze: Bis 22 Euro sind die Sendungen grundsätzlich frei von Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Jedenfalls bei technischem Krimskrams aus China. Bei bestimmten Dingen wie Tabak, Alkohol oder auch Kaffee gibts eigene Regeln, daher sollte man (in jedem Fall!) vorher mal bei der Website vom Zoll vorbeisurfen, da kriegt man alle Infos! Zwischen 22 Euro und 150 Euro ist man zwar noch zollfrei, aber nicht mehr frei von Einfuhrumsatzsteuer unterwegs – das sind einfach die 19%, die wir hier als Mehrwertsteuer kennen. Kauft man etwas für 100 Euro, kommen also 19 Euro Steuer obendrauf. Aber: (Steuer)Beträge bis 5 Euro werden gar nicht erst eingetrieben. Damit steigt die Freigrenze praktisch von 22 auf etwa 26 Euro. Aber das nur mal so unter uns 😉

Ich persönlich habe in den Chinashops sowieso immer nur Kleinkram gekauft. Irgendwelche China-Tablets, Handys und so weiter haben mich nie interessiert. Daher habe ich mir persönlich einfach als Faustregel aufgestellt, nie über 30 Dollar einzukaufen und war damit auch immer safe.

Erfahrungsgemäß hingen bei mir vielleicht 1/4 der Sendungen beim Zoll. Ich habe dann immer einen Paypal-Ausdruck reingeschickt und habe die Sendung dann unkompliziert bekommen. Meistens wollen die einfach nur einen Nachweis haben, wieviel man dafür bezahlt hat. Leider scheint dieser Service der Post inzwischen Geld zu kosten (siehe unten), aber man kann natürlich auch nach wie vor selbst zum Zollamt fahren und die Sendung abholen. Leider sind die Öffnungszeiten nicht immer sehr entgegenkommend.

Was kann man da gut kaufen, was nicht so?

Erstmal sollte jeder einfach selbst mal stöbern. Wie eben erwähnt, waren meine Bestellungen immer maximal bei 30 Dollar. Das kann dann beispielsweise mal eine Powerbank, eine Taschenlampe und noch irgend ein USB/VGA/SD/Whatever-Adapter sein. Man bekommt schon erstaunlich viel für sein Geld und es ist auch verrückt, was das Angebot in diversen China-Shops hergibt. Vom 500er Pack chinesicher Kondome für 5 Dollar (da sollte man sich eventuell aber mal Gedanken machen…) bis hin zur teuren Kameradrohne.

Gerade im Bereich der Adapter oder bestimmter DIY-Ersatzteile gibts aber meistens eine riesen Auswahl. Letzteres sind schonmal solche Dinge wie Ersatzdisplays oder -gehäuse für z.B. den Gameboy, die man hierzulande gar nicht so einfach – und schon gar nicht so billig – bekommt. Nach einer Weile hat man aber einfach ein Auge dafür. Wenn ich heute auf Amazon eine Billigdrohne für 20 Euro sehe, weiß ich genau, dass ich genau dieses Modell in China für 10 Dollar bestellen kann. Denn viele von den Gadgets haben es durch findige Händler natürlich inzwischen zu Amazon und Co. geschafft. Richtig verrückt wird es, wenn man 50 Ersatzrotorblätter für eben genannte Drohne in China bestellt. Das kostet dann ein oder zwei Dollar und ist immer noch versandkostenfrei. Wie diese Chinesen das machen, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Von Handys und anderen teuren Sachen habe ich wie bereits erwähnt aber immer die Finger gelassen. Nicht nur wegen dem Zoll, sondern einfach auch, weil ich den Noname Teilen hier nicht vertraue. Überhaupt darf man nicht mit den falschen Erwartungen an die Sache herangehen. Selbstverständlich wird die Qualität bei vielen Dingen schwanken und wenn mir ein Chinashop “genuine” Fusion Power Rasierklingen anpreist, dann sollte mir mein gesunder Menschenverstand schon sagen, dass das mit Vorsicht zu genießen ist. Daher habe ich auch nie “Marken”-Artikel gekauft, da kann man nur enttäuscht werden. So jedenfalls meine Einstellung dazu. Man bestellt eben Chinaware und sollte sich dessen auch bewusst sein. Und wird dabei mal positiv und mal negativ überrascht. Meine 13 Dollar Bluetooth-Kopfhörer funktionieren beispielsweise wunderbar, der Klang ist aber maximal mittelprächtig – für den Sport taugts. Hätte ich Teufel-Sound haben wollen, hätte ich auch tiefer in die Tasche gegriffen. Viele andere Dinge wie die Powerbank oder diverse Lampen sind dagegen einfach super.

Kundenservice im Billig-Chinashop?!

Warum ich gerade jetzt über das Thema blogge, hat einen bestimmten Grund. Ich habe gerade in jüngster Zeit diverse Kontakte zum Support von Banggood und Alibaba gehabt und erst heute fiel mir plötzlich auf: Moment mal! Als Amazon-verwöhntes Konsumkind ist für mich guter und schneller Service zwar absolut selbstverständlich geworden – man könnte Kano-Modell technisch auch sagen, Kundenservice im E-Commerce ist schon lange keine Begeisterungsanforderung mehr 😉 Aber der Kontakt zum China-Support war erstaunlicherweise nicht wirklich großartig schlechter oder komplizierter. Davon mal abgesehen, dass beide Seiten vielleicht nicht ganz perfektes Englisch schreiben 😉 Ich mache das mal an drei konkreten Fällen fest.

1. SNES Controller bei Banggood

SNES Controller USB

Für meinen Retropie habe ich noch brauchbare Controller gesucht und als alter Nintendo Fan sollten es möglichst SNES-ähnliche Controller sein, die es bei Banggood in der USB Variante gab. Sahen auch gut aus, 9 ft Kabellänge wurde angegeben (also etwa 3 Meter), die Bewertungen waren sehr gut. Also bestellt. Ich glaube, es waren keine vier Dollar pro Stück. Die Teile, die ankamen, waren aber von eher schlechter Qualität… der Aufdruck bei den Tasten war wie auf schlechtes Papier mit dem Tintenstrahldrucker Zuhause schief draufgestanzt, die Tasten waren recht wackelig und das Kabel kaum länger als einen müden Meter. Ich war also ein wenig enttäuscht und teilte dies auch mit. Das Ergebnis: Die Artikelbeschreibung wurde bzgl. der Kabellänge angepasst und man bot mir direkt 50% Rückzahlung an. Fand ich okay. Am nervigsten war hauptsächlich die Kabellänge, doch leben kann man damit – oder selbst verlängern. Ich muss dazu sagen, die Bewertungen haben bei mir eine falsche Erwartung erzeugt. Denn häufig wurde die “sehr gute” Qualität gelobt, die ja quasi wie original sein soll. Also Vorsicht bei den Kundenbewertungen! Denn im Vergleich zum Original war an dem Teil wirklich nichts sehr gut.

P.S.: Ja, nur der echte vom SNES ist der einzig Wahre! Ich habe sogar noch zwei davon und einen SNES-to-USB-Adapter. Leider gibts durch den Adapter ein spürbares Lag, das einfach keinen Spaß aufkommen lässt. Mal sehen, da muss ich mir noch was einfallen lassen.

2. USB Stick im Super Mario Design bei Alibaba / Aliexpress

Über Alibaba habe ich mir noch zwei USB Sticks im Super Mario Kostüm bestellt. Sahen echt cool aus und wenn man den Kopf abnahm, war darunter der USB Stecker verborgen. Gekostet haben sie auch mal wieder echt sehr wenig. Nur leider kamen sie völlig zerdrückt bei mir an, einen Stecker konnte man praktisch nicht mehr richten, der war komplett hinüber. Der zweite sah nur wenig besser aus, könnte man aber mit etwas Fummeln wieder hinbekommen. Also beschwert, diesmal gabs das ganze Geld zurück. Top! Im übrigen bekommt man den USB Stick ganz leicht aus dieser Mario Ummantelung, also kann da auch ein anderer rein.

3. LED Taschenlampe hing beim Zoll (Banggood)

Kürzlich habe ich mir nochmal eine starke LED Taschenlampe bei Banggood bestellt. Diesmal sogar das “EU Direct”-Shipping genommen. Trotzdem bekam ich Post vom Zoll. Eine Sendung aus den Niederlanden müsse geprüft werden innerhalb der nächsten zwei Wochen, sonst wird sie zurückgeschickt. Das fand ich an sich schon merkwürdig, weil man aus den Niederlanden meines Wissens keine Zollabfertigung hat wie aus China. Aber keine Ahnung, was da tatsächlich das Problem war oder ob Banggood trotzdem aus China (über die Niederlande?) geschickt hat. Leider hatte ich zu der Zeit keine Möglichkeit, beim Zoll selbst vorbeizufahren. Alternativ kann man die Abwicklung auch der Deutschen Post überlassen, das kostete laut dem Schreiben aber 28,50 Euro! Da habe ich erstmal geschluckt, denn früher war der Service der Post noch kostenlos! Ich hatte diesen schon einige Mal in Anspruch genommen. Einfach Paypal Belege in einen Umschlag und unterschreiben, dass der Zoll die Sendung ohne meine Anwesenheit aufmachen darf. Wenige Tage später war es dann grundsätzlich im Briefkosten, ganz ohne Probleme. Dass sowas jetzt 28,50 Euro kostet, ist schon hart.

Ich habe mein Dilemma dem Banggood Kundenservice per Mail mitgeteilt und auch gesagt, dass ich die 28,50 Euro ungern für eine 8 Dollar Lampe zahlen will. Antwort kam sehr schnell: Kein Problem, bitte nicht abholen und zurückgehen lassen, du kriegst dein Geld zurück!

Service auf chinesisch!

Das waren jetzt nur drei beispielhafte Service-Erfahrungen von mir. Aber in allen Fällen habe ich nicht nur eine schnelle Antwort erhalten, sondern mir wurde auch jedes Mal eine sehr unkomplizierte und entgegenkommende Lösung angeboten. Da bleibt wirklich nichts anderes übrig, als den Service von Alibaba und Banggood zu loben. Darüberhinaus legen sich speziell bei Alibaba, das ja eher eine Handelsplattform ist, die einzelnen Händler zum Teil auch echt ins Zeug. Ich habe mal für einen defekten LCD Fernseher ein neues Panel gesucht und hätte ein solches auch wirklich bei Alibaba bekommen. Durch den direkten Chat mit dem Händler erfuhr ich schnell, dass ich mir doch lieber einen neuen Fernseher kaufen solle, da es unglaublich teuer sei, ein einzelnes Panel von China nach Deutschland zu versenden. Immerhin, ich fühlte mich sehr gut beraten.

Fazit

Mein Fazit ist klar: Ich werde sicher dann und wann mal wieder in China online shoppen! Dabei bleibe ich meiner maximal 30 Dollar Faustregel treu und damit kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Und wenn man ganz ins Klo langt, ist auch nur ein sehr überschaubarer Betrag weg. Aber diesen Worst-Case hatte ich in all den Jahren noch nie.

Jetzt seid ihr aber dran! Gibt es noch Fragen? Wer hat denn schon Erfahrungen mit China Shops gemacht, seien es gute oder schlechte? 

greg

Blogger bei kleingebloggt
Servus! Mein Name ist Michael Gregor, ich bin E-Commerce Student an der FHWS, Blogger, Webworker und schon IT-Geek seit ich 1994 meinen ersten 386er hatte 🙂

Ein Kommentar zu “Gadgets aus China: Meine Erfahrungen mit Banggood, Alibaba und DX”

  1. Günther 29 November 2016 at 11:52 Permalink

    Habe bei banggood schon vieles bestellt und hatte trotz öfters mal sehr langer Lieferzeiten keine Probleme.
    Bis dann ein Satreceiver geliefert wurde, der nicht annähernd die beschriebenen Funktionen erfüllte.
    Auf Emails wird nicht geantwortet und schlechte Produktbewertung wurde gelöscht.
    Das ist es kein Wunder, dass fast nur positive Gerätebewertungen im Shop zu lesen sind.
    Man kann bei banggood ganz günstig einkaufen. Doch bei Probleme stellen sie sich tot.
    Günther


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