10 Februar 2015 ~ 9 Kommentare

Soll ich E-Commerce studieren??

janeinvielleichtGemessen an der Zahl der Mails und Kommentare, die ich immer wieder zum E-Commerce Studium an der FHWS in Würzburg bekomme, scheint die Frage langsam aber sicher immer mehr Leute zu beschäftigen. Und ich denke, nach drei Semestern fühle ich mich zumindest halbwegs in der Lage, ein wenig bei der Entscheidungsfindung zu helfen. Schließlich steht die Marschrichtung allmählich fest und bei der doch recht überschaubaren Zahl an Kommilitonen bekommt man auch schnell mit, wo der Schuh besonders oft drückt. Der nachfolgende Text ist somit für etwa die erste Hälfte des Studiums zu verstehen, die andere wird beschrieben, wenn es soweit ist 😉

“Wie viele von Ihnen haben denn schon eine eigene Website oder einen Blog?”

Ein bezeichnender Satz für dieses Studium und mehr als ein Prof hat diese Frage bereits während der Vorlesung beiläufig gestellt. Die Antwort darauf bestand regelmäßig aus etwa zwei oder drei müde erhobenen Händen – gut, weitere drei oder vier waren vermutlich noch zu Hause im Bett. Mich persönlich hat das aber extrem überrascht. Nicht das mit dem Bett, aber ich bin davon ausgegangen, wer E-Commerce studiert ist mindestens ein ganz klein wenig IT-Nerd oder hat zumindest die ersten Gehversuche mit Webtechniken wie HTML hinter sich. Ja, natürlich gibt es davon auch einige. Doch im Großen und Ganzen ist dem eher nicht so. Das erklärt vermutlich auch, warum sich so viele schwertun mit dem Informatikanteil. Nur ein paar Stichworte dazu, was einem hier bei EC so begegnen wird: Java, Javascript, HTML, CSS, XML, NodeJS, Client-Server Geschichten, Webservices, SQL. Und das sind nicht nur kleine Randerscheinungen im Studium. So stellt sich schnell die Frage, wie viele sich letztlich nur deswegen zu E-Commerce eingeschrieben haben, weil es einfach nur ganz cool anhört 😉

E-Commerce = “Informatik light” + etwas BWL + X

So oder so ähnlich könnte man es eigentlich ganz treffend formulieren. Das erste Semester unterscheidet sich kaum bis gar nicht vom Wirtschaftsinformatikstudium. Grundlagen der Informatik, Programmieren I + II, Webtechnologien, Web- & Scriptsprachen und Datenkommunikation waren zudem reine Informatikvorlesungen der vergangenen drei Semester (und es werden weitere kommen). Der Programmieranteil dabei ist absolut nicht zu unterschätzen, besonders Java und Javascript begegnet man immer wieder. Wer zuvor noch nie ein paar Zeilen Code vor sich hatte – und sei es nur HTML und irgend eine einfache Sprache mit Schleifen und if/else Konstrukten – könnte schnell gefrustet sein und mit dem Schieben dieser Prüfungen anfangen. Davon kann natürlich nur abgeraten werden, denn es wird nicht besser. Unser Studiengang startete mit etwa 60 Studenten und wie man an den folgenden Grafiken sehen kann, nahmen bereits an der Prüfung zu Programmieren I gerade einmal 27 Teil – 17 davon haben bestanden. Bei Programmieren II sieht es ganz ähnlich aus. Mehr als die Hälfte schob also schon diese sog. Grundlagenfächer – das bedeutet, dass sie relativ früh im Studienverlauf erstmals abgelegt sein müssen – vor sich her. Noch jetzt im dritten Semester knabbern einige an Prog I und II.

prog1prog2

“Muss ich also bereits (gut) programmieren können?”

Schadet sicher nicht 😉 Aber nein, natürlich ist alles erlernbar. Wer schon ein paar Grundkenntnisse mitbringt, wird stark davon profitieren. Wer nicht, sollte zumindest ordentlich Neugier und “Bock” haben, mal etwas zu programmieren und umzusetzen. Sonst ist Frust fast vorprogrammiert (nettes Wortspiel). Mit Java und Javascript beispielsweise hatte ich vor dem Studium auch nichts am Hut, war dafür aber schon ganz fit in HTML, CSS und PHP aufgrund der verschiedenen Webprojekte, an denen ich mich über die Jahre versucht habe. Java(script) war daher für mich extrem interessant um neues Knowhow zu erwerben, das ich in Zukunft sicher an weiteren Projekten vertiefen werde. Etwas relativierend muss man nämlich sagen, dass zumindest bis jetzt die Programmierung im Studium doch oberflächlich bleibt. Proficoder wird man vom EC Studium alleine eher nicht, sondern bekommt aus verschiedenen Disziplinen gute Grundlagen mit. Es ist eben doch kein Informatikstudium! Aber dennoch: Trotz meiner Vorkenntnisse habe auch ich mir nicht immer ganz leicht getan, doch die Lernkurve war dadurch recht steil.

Vom BWL-Teil dagegen sind dann lustigerweise wieder viele derjenigen genervt, denen die Informatik gut liegt 😉 Aber auch da muss man durch: Grundlagen der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Unternehmensgründung. Oder in anderen Worten, ein bißchen Nachfrage- und Angebotskurven, Buchungen, etwas Eigenkapitalrentabilität, Gesellschaftsmodelle, Steuern usw. Hält sich noch in Grenzen, die Durchfallquoten bei BWL/VWL im ersten Semester waren aber trotzdem beachtlich (36 von 57 bestanden). Jeder, der in der Schule den Wirtschaft und Recht Leistungskurs hatte, wird aber keinerlei Probleme haben. Ähnliches dürfte auch für Mathe I + II gelten, im vierten Semester kommt zudem noch Statistik auf uns zu.

Und das X?

Die meisten der Vorlesungen, die über die Bereiche reine Informatik, BWL und Mathe hinausgehen würde ich in die Kategorie “verdammt interessant” einordnen. Zu einem großen Teil traf das für mich zwar auch bei der Informatik zu, aber da hat jeder so seine eigene Meinung. Online Marketing (inkl. Suchmaschinenoptimierung), Grundlagen des E-Commerce, Usability & Conversionsoptimierung, mobile Systeme… das sind alles recht coole Geschichten, die Spaß machen. Zwar hatte ich durch Web- und Affiliateprojekte auch hier schon einiges an Vorwissen, konnte aber mindestens nochmal genauso viel mitnehmen – damit ist nicht das kostenlose Website Boosting Abo gemeint! – und teilweise sogar direkt irgendwo ausprobieren oder umsetzen. Prädikat empfehlenswert.

Also was jetzt, ja, nein, vielleicht?

Das kann hoffentlich jeder Interessent am E-Commerce Studium nach diesem Artikel ein wenig besser einschätzen als zuvor. (M)ein Fazit nach drei Semestern in Halbsätzen: Kein Spaß an Informatik? Wenig Spaß am EC-Studium!

greg

Blogger bei kleingebloggt
Servus! Mein Name ist Michael Gregor, ich bin E-Commerce Student an der FHWS, Blogger, Webworker und schon IT-Geek seit ich 1994 meinen ersten 386er hatte 🙂

9 Kommentare zu “Soll ich E-Commerce studieren??”

  1. Max 12 März 2015 at 22:53 Permalink

    Servus Greg!

    Vor zwei Jahren habe ich mich mit der selben Frage beschäftigt. Mittlerweile kann ich mir ebenfalls eine Meinung zur Frage bilden, ob man E-Commerce studieren sollte. Ich würde dein Fazit, wie du es formuliert hast, sofort unterschreiben 😉
    Ohne Spaß an Informatik, also an etwas Programmierung, Verständnis über Kommunikation im Netzwerk also Zwischen Client und Server, verschiedenen Frameworks, etc. findet man nicht wirklich Gefallen am E-Commerce Studium, bzw. an großen Teilen dessen.
    Allerdings muss man dazu sagen, dass in dieser Hinsicht keine Vorkenntnisse erwartet werden. Natürlich tut man sich mit Vorkenntnissen einfacher, aber auch ohne bereits existentes Wissen, dafür aber mit ordentlich Motivation und ernsthaftem Interesse, kann man den ganzen Spaß gut bewältigen! 🙂 Wenn die Neugierde und das Interesse aber aus bleibt, dann könnte es durchaus ein kurzes Studium werden…

    Schöne Grüße
    Max

  2. Andreas 21 April 2015 at 23:02 Permalink

    Servus Greg,

    Ich überlege auch in zwei Jahren in dieses Studium einzusteigen, gehöre aber eher zu den unwissenden da ich in meiner Jugend nicht am Ball geblieben bin. Kannst du mir vllt Kurse, Workshops ect. empfehlen mit denen ich mich vorbereiten kann?

    E-Mail Kontakt würde mich freuen.

    Gruß Andreas

  3. greg 21 April 2015 at 23:28 Permalink

    Hallo Andreas,

    das kommt natürlich ganz darauf an, woran genau es bei dir hapert!

    Wie Max schon ganz richtig geschrieben hat, ist Vorwissen natürlich kein Muss. Aber man sollte schon ordentlich Spaß an Informatik haben und auch Webtechniken nicht abgeneigt sein. Wenn man damit so gar nichts anfangen kann, hat man zwar grundsätzlich auch noch nicht verloren. Aber mühselig wird es dann auf jeden Fall…

    Gruß

    • Andreas 22 April 2015 at 09:51 Permalink

      Hallo Greg,
      also mein fehlendes Wissen beruft sich allgemein aufs programmieren. Wir sind aus der selben Altersgruppe doch hab ich früher eher früher Rechner zusammengebaut als mich mit der Software auseinander zu setzten. Bissl DOS hat jeder ja früher mal gemacht beim 3.0 Windows, aber das ist ja hier nicht notwendig. Also mir fehlt es da eigentlich an allen Ecken. Vllt weißt du ja ein paar gute Seminar zum programmieren lernen mit denen ich mir wenigstens ein gewisses Grundwissen aneignen kann. Die anderen Fächer sind weniger das Problem da ich Wirtschaftsfachwirt bin. Ich bin noch zwei Jahre beim Bund tätig und will dann gerne umschwenken auf was konstruktiveres als reine Wirtschaftstätigkeit. Ich wollte immer schon im IT Bereich tätig sein, da wir ja mit alle der Technik groß geworden sind und auch noch das Interesse aufbringen können, was man so alles mit Software und Hardware anstellen kann. Leider hats mich in die Logistik verschlagen und das ist auch interessant, aber nach zehn Jahren reicht es mir auch. Und die Software und Internet-Branche ist nunmal das A und O auf das es heutzutage ankommt.
      Ich hab durch den Bund gewisse Fördermittel zur Verfügung und suche daher passende Kurse, Seminare etc. in denen ich mir Wissen aneignen kann, nur will ich nicht wahllos irgendwas lernen.

  4. greg 23 April 2015 at 17:32 Permalink

    Hallo Andreas,

    das ist schwer zu sagen, da ich mir meine Vorkenntnisse selbst anhand eigener Projekte Stück für Stück angeeignet habe. Richtige Kurse o.ä. kenne ich daher eher nicht.

    Was ich dir aber zumindest raten kann:

    1. Java ist ein großes Thema im E-Commerce Studium. Ich glaube, jede noch so kleine Vorerfahrung kann hier sehr hilfreich sein. Empfehlen kann ich das Buch “Java von Kopf bis Fuß”, das sehr unterhaltsam verfasst ist und bereits die wichtigen Vorlesungen Programmieren I + II praktisch vollständig abdeckt.

    2. Lege dir eine eigene Website bzw. Blog zu! Egal worüber, fange einfach an! Mache dich mit den gröbsten Grundlagen vertraut, besorge dir irgendwo billigen Webspace und starte z.B. einfach mal einen Blog mit WordPress. Das EC Studium wird dich früher oder später sowieso dazu zwingen, und ein ECler ohne Website ist einfach kein ECler 😉

    Du musst wirklich nicht viel im Vorfeld machen, aber es hilft ungemein. Ich glaube, die meisten derer, die in den ersten paar Semestern ausgestiegen sind, scheitern am Programmieren-Teil.

    Gruß Greg

  5. Georg 6 Juli 2015 at 02:21 Permalink

    Hi Greg, nette Site. Ich habe mich vor ein paar Jahren auch schon mit Webprojekten, vor allem im Bereich von Selbstständigen, rein hobbymäßig beschäftigt, SEO, Adsense, Affiliate Marketing, etc. und fand das recht interessant. Die Grundlagen von Html und CSS habe ich mittlerweile auch ein wenig drin.

    Nun bin ich allerdings auch schon über 30, aber überlege trotzdem noch mal was anderes zu wagen und E-Commerce zu studieren.

    Jetzt frage ich mich, wie “jugendaffin” das Ganze ist!? Von anderen Studiengängen kenne ich es, dass es nicht unbedingt was ungewöhnliches ist, wenn ein 30- oder auch gar ein 40-jähriger in der Vorlesung sitzt. Wie sieht das im E-Commerce aus?

    Viele Grüße

    • greg 7 Juli 2015 at 15:32 Permalink

      Hi Georg,

      mhhh ich würde sagen, inzwischen (4. Semester) bin ich einer von maximal noch vier oder fünf über 30 😉 Also ja, bei EC ist es schon noch einigermaßen ungewöhnlich. Aber hey, who cares, ich werde inzwischen höchstens einmal täglich wegen meines Alters verarscht 😉

      Die meisten hier sind zwischen 20 und 23.

      Viele Grüße

  6. Patrick 15 August 2015 at 10:17 Permalink

    Hallo Greg,
    ich komme nun auch in das dritte Semester und kann deinem Beitrag auch nur zustimmen. Die meisten Kommilitonen, die Programmieren nur als lästiges Übel verstehen, tun sich recht schwer damit.

    Auch ich gehöre nicht mehr zu den Jüngsten und meine Vorkenntnisse hatten sich auch größtenteils auf Internet- und Computer-Zusammenbastel-Projekte beschränkt, wie hier in anderen Kommentaren zu lesen. Ich war aber sehr interessiert am Programmierteil und konnte das bisher sehr gut meistern.
    Ein Tipp an alle Einsteiger dazu: Macht alle Übungen mit, von Anfang an! Meiner Meinung nach ist eine Vorbereitung für das Studium nicht notwendig (schaden tut es aber sicher auch nicht), aber die Anwesenheit in den Vorlesungen und das Bearbeiten aller Übungen dafür umso mehr!

    Viele Grüße

  7. Sibuu 27 Juni 2017 at 12:58 Permalink

    Guten Tag, erst einmal ein dickes Danke für den ausführlichen Erfahrungsbericht!!
    Ich hätte einige Fragen da ich nächstes Jahr vorhabe ebenfalls Ecommerce zu studieren. Zum einem: Was benötigt man außerhalb eines NC’s von 3,2 (stimmt das)? Ist ein Vorpraktikum von 6 Wochen auch für Ecommerce notwendig? Und gibt es sonst noch irgendwelche Vorraussetzungen oder kann einfach jeder sich bei hochschulstart.de regestrieren, auch die die gerade frisch vom Abi kommen?

    Grüße!


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