10 Januar 2015 ~ noch keine Kommentare

AIDA Kanaren Kreuzfahrt: Wehe wenn der Norovirus zuschlägt!

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Ausnahmsweise ein Reisebericht hier. Auch dafür muss mal Zeit und Platz sein.

Aufgrund eines unschlagbaren Angebotes hatte ich mir mit meiner Freundin und zwei weiteren Freunden eine Kreuzfahrt rund um die kanarischen Inseln mit der AIDAstella gegönnt. Zugegeben, das Wort Kreuzfahrt klang auch für mich bis dahin eher nach Alte-Leute-Veranstaltung, von selbst wäre ich auf so eine Idee vermutlich nicht so schnell gekommen. Aber gut, der Flug nach Gran Canaria war inklusive, von dort sollte es mit der AIDA dann eine Woche lang von Insel zu Insel gehen. In unserem Sparfuchstarif war natürlich nur eine Innenkabine ohne Fenster oder gar Balkon inbegriffen, ansonsten sollten aber die nötigsten Annehmlichkeiten inklusive sein. Aber hey, was soll man denn auch groß auf der Kabine herumhängen, es gibt doch genug anderes zu entdecken, das war jedenfalls der Gedanke. Warum ich diese dann doch etwas intensiver in Augenschein nehmen durfte, werde ich hier noch ausführlich beschreiben.

Der Fahrplan war bekannt: Von Gran Canaria ging es los, nach einem Tag auf hoher See erreichten wir Madeira, um anschließend wieder einen Tag zurück Richtung Lanzarote, La Palma und Teneriffa zu schippern. Auf den Inseln legte das Schiff dann immer von morgens bis abends an, danach ging es weiter. Und so konnten wir bereits im Vorfeld den einen oder anderen Mietwagen online buchen. Die Idee war, auf die eher teuren AIDA-eigenen Ausflugsangebote an Land zu verzichten und stattdessen auf eigene Faust per Mietwagen die verschiedenen Inseln zu erkunden. Für einen Opel Corsa oder Renault Clio inklusive aller Versicherungen lag man hier bei stets günstigen 30 bis 50 Euro. Die Spritpreise auf den spanischen Inseln bewegten sich bei sehr erfreulichen Kursen unter einem Euro pro Liter.

Zimmer, Verpflegung und Service

Ja, selbst so eine einfache Innenkabine auf der AIDAstella lässt nur wenige Wünsche offen. Ich war positiv überrascht. Hell, schön eingerichtet und dekoriert, ein Doppelbett, 42 Zoll LCD an der Wand mit Infotainment, Reiseinfos und den nötigsten TV-Sendern von ARD bis ProSieben, ein kleines Bad mit Dusche und WC. Alles geschmackvoll eingerichtet und für die eher spärlichen Platzverhältnisse mehr als angemessen durchdacht. Jeden Tag gibt es einen Zimmerservice, der putzt, die Betten macht und Handtücher austauscht. Im Zimmer gibt es zudem ein Telefon, so kann man direkt andere Kabinen anrufen, was sehr praktisch ist, wenn man mit mehreren Personen auf dem Schiff ist. Duschgel und Seife sind ebenfalls vorhanden, auch Bademäntel.

Essen kann man in den verschiedenen Restaurants auf dem Schiff, sei es eher typisch deutsch im Marktrestaurant, italienisch im Belladonna, asiatisch im East, eher amerikanisch mit Burgern im California Grill oder gar zünftig bayrisch im Brauhaus, in dem sogar ein eigener Braumeister schiffseigenes Zwickl braut. Meist gestaltet sich das Ganze in Form eines Buffets, die Auswahl ist dabei recht groß, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Im Brauhaus oder California Grill kann man sogar nach Karte bestellen, alles im Preis inklusive (dafür kosten hier die Getränke extra). Getränke wie Softdrinks oder Bier zapft man sich aber ansonsten einfach kostenlos selbst, Wein steht immer am Tisch bereit. Lediglich für Cocktails an den vielen Bars muss man (ordentlich) draufzahlen, sofern man nicht bereits im Vorfeld ein Cocktailpaket gebucht hat, um etwas Geld zu sparen.

Auch das Frühstück macht wirklich Spaß und ist in den meisten der großen Restaurants verfügbar. Von Brötchen, Backwaren und Müsli bis hin zu Rührei mit Speck gibt es praktisch alles, was das Herz begehrt. Darüberhinaus gibt es zu allen Essenszeiten auch frisches Obst. Im Prinzip existieren nur wenige kurze Tageszeiten, an denen man gerade kein Essen bekommt, dann aber auch wirklich nur, weil gerade in den Restaurants entweder geputzt oder für die nächste Mahlzeit vorbereitet wird.

Die Landgänge

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Bis auf die zwei reinen Seetage wurde jeden Tag an einem Hafen angelegt und man konnte an Land gehen, um die jeweilige Insel zu erkunden. Wenn wir im Vorfeld keinen Mietwagen per Internet buchen konnten, so gelang dies ausnahmlos immer und problemlos direkt vor Ort. Rückblickend ist dies sogar manchmal die bessere Option. Ich kann hier den Anbieter “Cicar” empfehlen, ein scheinbar auf den Kanaren ansässiger Autovermieter mit wirklich günstigen Preisen und guten Konditionen: Vollkasko ohne Selbstbeteiligung ist hier inklusive, böse Überraschungen wegen etwaiger Macken am Auto nach der Rückgabe sind hier eher auszuschließen, denn man muss nicht einmal eine Kreditkarte hinterlegen. Auch wenn die Autos in den meisten Fällen nur sehr schwachbrüstige Opelmodelle waren, die sicher schon bessere Zeiten gesehen haben, so kam man damit doch grundsätzlich gut um die Inseln und konnte sich selbst schöne Eindrücke dieser machen. Die Straßenverhältnisse sind zum Teil ein wenig abenteuerlich und man muss hier und da durchaus schwindelfrei sein, doch dafür entschädigen die tollen Ausblicke während dieser Fahrten wieder. Lediglich den fünften Gang der 75-80 PS Boliden braucht man aufgrund der Straßenführung nur wirklich selten 😉

Die Kanaren gelten wohl nicht umsonst als Inseln des ewigen Frühlings, denn Temperaturen unter 20 Grad waren selten zu verzeichnen, wenngleich die Wetterlagen selbst auf einer einzigen Insel schnell von Sonne satt bis hin zu Regenwetter schwanken konnten. Zu sehen gab es immer genug: Erwähnenswert ist dabei der höchste Berg mit 3700 Metern auf Teneriffa (mit Gondel und SCHNEE!) und einer Landschaft wie man sie eher in manchen Gegenden Amerikas erwartet hätte, bestehend aus Felsgestein und Kakteen. Ich fühlte mich hier direkt an die Wüstenlandschaft aus Breaking Bad erinnert und tatsächlich dauerte es auch gar nicht lange, bis wir in dieser Kulisse ein entsprechendes Wohnmobil entdeckten. Ob da wohl ein Heisenberg gerade am Werk war? 😉 Andere Inseln dagegen waren komplett grün eingefärbt, dank großzügigen Wäldern und Bananenplantagen. Auch verfahren konnte man sich kaum, denn all zu viele Straßen gibt es hier auch wieder nicht. Zusammenfassend sind die Inseln allesamt einen Besuch wert und warten mit interessanten Eindrücken auf. Es würde aber an dieser Stelle schon wieder zu weit führen, alles im Detail zu beschreiben. Wenn es Fragen gibt, gerne als Kommentar hinterlassen!

Doch wehe man wird krank, nein, nicht Seekrank!

Die Überschrift hat es ja bereits angedeutet. Jetzt folgt der unangenehme Teil der Reise, der mir selbige ein stückweit versaut hat. Aber ich hole etwas aus. Auch wenn mir im Vorfeld von allen Seiten versichert wurde, auf so einem großen Schiff würde man den Wellengang doch gar nicht bemerken, so muss ich deutlich widersprechen. Der Atlantik scheint wirklich rau um diese Jahreszeit und so schwankte die AIDA praktisch den ganzen Tag wirklich deutlich durch die meterhohen Wellen. Man kam sich ein wenig vor wie betrunken und so liefen die meisten Passagiere in den Restaurants auch tatsächlich in Schlangenlinien auf hoher See. Es war wirklich nervig und hörte auch nicht auf. Nicht, dass die Gläser von den Tischen gesprungen wären, aber ein gewisses Achterbahnfeeling begleitete doch durch den kompletten Tag. Wir alle haben das dennoch gut weggesteckt. Doch etwa auf der Halbzeit der Reise hat es mich erwischt: Bauchschmerzen, Unwohlsein… ich hoffte zunächst noch, dass es vielleicht an der etwas überambitionierten Session im bordeigenen Fitnessstudio lag. Doch leider lag ich falsch. Mir ging es eines Nachmittags so gar nicht gut, Erbrechen war die Folge. Als dann aber auch starker Schüttelfrost und Fieber hinzukamen, wurde klar: Nein, ich war nicht Seekrank, ich habe mir eine waschechte Magen-Darm-Grippe eingefangen! Norovirus dürfte hier das Stichwort sein.

Braucht man eine Auslandskrankenversicherung? Oh Gott, ja 😉

Ich lag also völlig kaputt im Bett und suchte nach einer mehr als unangenehmen Nacht die schiffseigene Arztpraxis auf. Die Sprechstundenhilfe dort empfing mich auch direkt… schroff und gar nicht so freundlich. Jedenfalls schließe ich dies einfach mal aus der Tatsache, dass ich in meinem Delirium nur die Wortfetzen “Habe Magen-Darm-Grippe, Erbrechen und Durchfall” herausbrachte und die Antwort darauf war “AUCH SEHR ANGENEHM! MEIN NAME IST … UND WER SIND SIE? WIE WÄRE ES MAL MIT GANZEN SÄTZEN?”. Bah! Der Arzt wurde herbeigerufen, sah mich kurz an, hat Fieber gemessen und mir anschließend ein paar Tabletten in die Hand gedrückt. Das Prozedere dauerte vielleicht fünf Minuten. Ich dürfe die Kabine für 24 Stunden nicht verlassen und muss mich morgen hier wieder melden. Essen würde mir in die Kabine gebracht werden. Das tat ich nach einem Tag des Im-Bett-Liegens dann auch, während ich eine Insel komplett verpasste. Zum Glück war bis dahin das Schlimmste vorbei und auch saß diesmal eine andere sehr freundliche Dame am Tresen. Man ließ mich danach auch wieder auf die Menschheit los, ein wenig schwach war ich aber die nächsten zwei Tage schon noch auf den Beinen. Am Ende der Reise bekam ich noch eine gesalzene Arztrechnung über rund 150 Euro. Gut, dass ich eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen hatte. Das Pikante: Ohne eine solche Krankmeldung an Bord bekommt man weder Mahlzeiten, noch Getränke aufs Zimmer geliefert. Und in dem Zustand möchte man nun wirklich nicht in einem der Restaurants aufschlagen. Im Laufe der Reise ist mir dann aufgefallen, dass scheinbar ganze Gänge mit Wägen voller Essen beliefert wurden, ich muss also absolut kein Einzelfall gewesen sein. Viele Menschen auf kleinem Raum, da kann sowas durchaus die Runde machen. Über Norovirus Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen kann man immer wieder mal im Netz lesen (habe ich leider erst hinterher). Trotz Händedesinfektionsstationen vor jedem Restaurant. Mir zwängte sich die Vermutung auf, dass AIDA mit den Arztrechnungen offenbar ein ganz passables Einkommen erwirtschaften könnte… eine 10er-Packung Imodium Akut (nein, eigentlich nur die günstige Variante von ratiopharm), die hierzulande per Internetapotheke etwa einen Euro kostet, findet sich mit 21 Euro (!) auf der Rechnung. Wenn das mal keine Gewinnspanne ist?! Aber gut, die Auslandskrankenversicherung wird hoffentlich dafür aufkommen, also kein Grund zum Meckern (Update: Hat sie. Danke!). Jedoch dürfte diese Erfahrung dem einen oder anderen bei der Entscheidungsfindung helfen, ob man sowas für den Urlaub denn abschließen sollte oder nicht 😉 Schließlich kostet so eine Versicherung in der Regel um die 10 – 15 Euro pro Jahr. Die gesetzliche Krankenversicherung, so schnappte ich es zumindest auf, scheint wohl teilweise auch die Kosten zu übernehmen, jedoch nur bis maximal 40%. Aber das ist jetzt nur gefährliches Halbwissen.

Mobiles Internet, Roaming auf hoher See, sowie Wifi-Hotspots auf den Kanaren und der AIDA

Dass dieses Thema in meinem Blog nicht fehlen darf, versteht sich quasi von selbst 😉 Als Internetjunkie habe ich mich natürlich vorab ein wenig schlau gemacht und schon zu Hause ein “Reisepaket Data” über 100 MB bei meinem Provider für knapp 10 Euro gebucht. Kann man ja immer brauchen, dachte ich mir und so war es dann auch hier und da sehr nützlich. Die kanarischen Inseln gehören zu Spanien (Madeira zu Portugal), somit war ich roamingtechnisch außerdem in einer recht günstigen EU-Zone. Unglaublich aufpassen auf einer Kreuzfahrt muss man aber mit dem Roaming auf hoher See! So staunte ich zunächst nicht schlecht, dass ich plötzlich mitten im Atlantik vollen Netzempfang hatte. Eine SMS wies mich aber schnell darauf hin, dass ich mich auf See befinde, wo Telefonate über 5 Euro pro Minute kosten und 50 kB (!) an Daten bis zu 1,28 Euro! Die Reedereien haben – laut einer kurzen Google Recherche – oftmals diverse Verträge mit bestimmten Netzbetreibern, das Ganze läuft aber eben über extrem teure Satellitentelefonie. Auch greifen auf See diverse Kostenbremsen der EU nicht. Hier ist es also dringend anzuraten, das Smartphone ganz abzuschalten. Brisant: Für das Reisepaket Data muss das Datenroaming nämlich eingeschaltet sein. Also Vorsicht!!

AIDA bietet auch Internetpakete über WLAN an, die ich aufgrund des Preises aber habe sein lassen. Ich erinnere mich an etwa 20 Euro für 20 Minuten. Das macht keinen Spaß. In dem einen oder anderen Hafen, sowie in Restaurants auf den Inseln gibt es hin und wieder kostenlose Wifi-Hotspots. Da man aber nie wirklich weiß, wessen unverschlüsselten Netzwerk sich man da gerade anschließt, nutze ich in solchen Fällen die kostenlose App von ZenMate, die ein VPN aufbaut und den kompletten Datenverkehr verschlüsselt. Sicher ist sicher.

AIDA Kreuzfahrt Kanaren, ein Fazit

Ein abschließendes Fazit fällt nicht ganz leicht, da die Erfahrung mit der Magen-Darm-Grippe (oder auch “Gastroenteritis”) das Kreuzfahrterlebnis doch stark getrübt hat. Ich versuche mich daher in ein paar Halbsätzen der Zusammenfassung:

  • AIDAstella selbst und Kabinen durchaus nett eingerichtet
  • Personal super nett und zuvorkommend (gewisse Arzthelferinnen mal ausgenommen)
  • Essen in den Restaurants gut und vielseitig
  • (das Wasser am Tisch schmeckt allerdings verdächtig nach Chlor)
  • Cocktails sind relativ teuer und nicht immer lecker
  • Wetter und Seegang recht unberechenbar, starkes Schwanken des Schiffes nervt wirklich
  • “Seegang im Kopf” bleibt leider auch am nächsten Tag an Land noch
  • Inseln sehr vielschichtig, schön und jede Menge zu sehen

Sollte es ein nächstes Mal in Sachen Kreuzfahrt geben, so wären vermutlich die eher ruhigen Gewässer der Karibik das Ziel. Das muss der Geldbeutel allerdings erst hergeben, da die Preisgestaltung hier eine ganz andere ist. Bis dahin ist das Thema für mich persönlich nicht mehr wirklich so interessant: Kann man machen, muss man aber nicht.

Wer hier war auch schonmal auf der AIDA oder den Kanaren und wie sind eure Erfahrungen? Fragen oder Anmerkungen? Kommentar!

greg

Blogger bei kleingebloggt
Servus! Mein Name ist Michael Gregor, ich bin E-Commerce Student an der FHWS, Blogger, Webworker und schon IT-Geek seit ich 1994 meinen ersten 386er hatte 🙂

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