09 August 2017 ~ noch keine Kommentare

Hausarbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit – das Lektorat in Eigenregie und was es wirklich bringt

(Ein Gastartikel von Mentorium)

Do It Yourself! Danke Internet für Deine zahlreichen Tutorials als Video, Audio oder Fließtext. Ich hätte nie gedacht, was ich alles selbst machen kann von einem eigenen nachhaltigen Waschmittel bis hin zu einem neuen Regal aus alten Regalen. Der Clou, man lernt nicht nur eine Menge dazu, man spart meistens auch noch bares Geld. Was hält mich denn eigentlich noch ab, diesen DIY-Spirit auch auf den Uni-Alltag zu übertragen. Gerade wir armen Studenten und Studenten können doch jeden Taler gut gebrauchen.

Am Ende bringt einen die wissenschaftliche Arbeit doch immer wieder zur selben Frage: Gebe ich Geld für ein richtiges Lektorat aus oder verpflichte ich meinen Cousin mit Deutsch-Leistungskurs zum Korrekturlesen im Austausch für eine Kinokarte und ein Getränk seiner Wahl. Liegt es einfach zu nahe oder warum bin ich eigentlich noch nicht darauf gekommen, meine Arbeit einfach selbst zu lektorieren? Wie schwierig kann das schon sein? Wie könnte so eine Checkliste also aussehen für ein wissenschaftliches Lektorat? Masterarbeit, Bachelorarbeit oder Hausarbeit oder darüber hinaus – die Bedingungen sollten dabei auf jegliche Art von wissenschaftlichen Arbeiten anzuwenden sein.

Lektorat und Korrektorat – mehr als die Summe seiner einzelnen Teile

Natürlich darf man nicht vergessen, dass es sich bei einem Lektorat in der Regel ebenfalls um eine Korrektur der Schreibfehler handelt. Das bedeutet, dass es gilt, beides auszumerzen, Fehler in Rechtschreibung und Grammatik sowie stilistische Schwächen. Auch das klingt immer noch vollkommen nachvollziehbar und möglich. Aber schon bei einem kurzen Blick auf die Bereiche der Orthografie (oder heißt es Orthographie?) kann einem schon ein bisschen schummrig werden. Jedes Jahr schaffen es neue Wörter in den Duden und man muss schon sehr dran bleiben, wenn man mit den Rechtschreibreformen in den letzten Jahren noch Schritt halten möchte.

Manche Wörter werden schlicht und ergreifend anders geschrieben als früher, manche hingegen sind so geblieben und für ein paar Ausdrücke gibt es unterschiedliche Varianten; wir erinnern uns an Orthografie und Orthographie. Dementsprechend komplex gestaltet sich auch die Zusammen- und Getrennt- sowie die Groß- und Kleinschreibung. Heißt es zu Hause oder zuhause? Kurioserweise funktioniert auch hier beides, aber das muss nicht immer der Fall sein. Jetzt noch ein bisschen Grammatik inklusive korrekter Beugung der Verben, Deklination der Substantive und Adjektive, Interpunktion und und und. So langsam sollte man in puncto Korrekturlesen wirklich mal in sich gehen, um sich zu fragen, ob man das alles so aus dem Effeff beherrscht oder jemals beherrscht hat.

Ein wissenschaftliches Lektorat: Masterarbeit und Co. im richtigen Stil

Wenn das erledigt ist, dann ist eigentlich erst ein kleiner Teil geschafft. Jetzt geht es an die Feinjustierung, zu Deutsch: Die Stilistik. Es gibt da so ein kleines Missverständnis, nämlich, dass lange Sätze einen besseren Eindruck machen als kurze. Umfangreiche und verschachtelte Sätze können durchaus ein Zeichen für eine elaborierte Ausdrucksweise sein, wenn sie denn gekonnt verfasst und angemessen eingesetzt werden. Sind sie jedoch nicht sinnvoll konstruiert, kann das auch schnell nach hinten losgehen. Das passiert gerade dann, wenn die Sätze nur unübersichtlich zahlreiche Informationen enthalten oder unlogische Ketten aus Nebensätzen aneinanderreihen. Das alles verwirrt nur unnötig und lässt die Gedankengänge von Student und Studentin unstrukturiert und uneindeutig wirken. Dabei kommt es in einer wissenschaftlichen Arbeit doch darauf an, zu beweisen, dass man sich die Thematik zu eigen gemacht hat und sie in eigenen, verständlichen Worten wiedergeben kann.

Der letzte Punkt deutet ebenfalls darauf hin, wie wichtig es ist, dass der Text gut verständlich ist und das auf universitärem Sprachniveau. Dazu zählt auch, dass Synonym kein Fremdwort sein sollte. Unglücklicherweise haben wissenschaftliche Arbeiten die Angewohnheit, sich im Hauptteil größtenteils um Beschreibungen von Abläufen, Auswertungen von Statistiken und andere technische Beobachtungen zu drehen. Wenn man dann schon zum dritten Mal „darüber hinaus erfolgt“, „wie Tabelle 2 zeigt“ oder „die Antwort des Befragten weist darauf hin, dass“ getippt hat, spätestens dann wird es Zeit für einen neuen Ausdruck, bis dieser wiederum durch einen anderen Ausdruck ersetzt werden sollte. Verteilt auf besagte 10 bis 60 Seiten muss man sich dann eine Menge Wörter einfallen lassen.

Bin ich Linguist und wenn ja, wie viele?

Das ist die grobe Vorgehensweise, möchte man seine Masterarbeit, Bachelorarbeit oder Hausarbeit selbst kontrollieren. Irgendwie klingt alles so umfangreich und kleinteilig, dass man damit wahrscheinlich einen ganzen Studiengang füllen könnte. Tatsächlich gibt es den schon. Er nennt sich Sprachwissenschaft oder Linguistik. Die Linguistik ist eigentlich gar nicht so verschieden vom Studium des E-Commerce. Das, was man dort lernt, wirkt vielleicht ganz einfach. Allerdings wirkt es nur so leicht, weil schlaue Köpfe es so leicht aussehen lassen. Sprich: Eine Homepage bauen ist vielleicht leicht, aber eine professionelle Homepage bauen, mal ehrlich? So verhält es sich eben auch mit der Korrektur von Texten. Mal eine Seite A4 gegenlesen und ein paar vergessene Kommata hinzufügen, gut und schön. Aber eine wissenschaftliche Arbeit in der jeweiligen Fachsprache ist schon eine andere Hausnummer.

Wenn es wirklich gut und nicht wie amateurhaft selbst gebastelt aussehen soll, dann muss man sich in die Materie schon reinlesen – oder eben einen Profi fragen. Spinnt man dieses Beispiel weiter, ist der Mehrwert allerdings ein anderer. Eine Homepage braucht ständige Pflege, das Wissen wird also ständig wieder abgerufen. Bei einer Abschlussarbeit gilt „Rien ne va plus“. Ist sie einmal fertig, ist sie fertig. Anschließend muss ich im Alltag nicht mehr jedes Komma und jeden Bindestrich grammatikalisch oder orthografisch erklären können, das oder den man gesetzt hat.

Ich glaube, so langsam wird deutlich, wohin dieser Blog-Eintrag führen soll. Ich will keinem absprechen, seine Muttersprache nicht korrekt zu beherrschen, aber bei so einer wissenschaftlichen Arbeit geht es um etwas. Da sollte man sich ruhig einmal in professionelle Hände begeben, allein schon wegen des Vier-Augen-Prinzips. Stimmt, wenn es nur darum ginge, könnte es schon reichen, eure fertige Hausarbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit ausgewählten Personen in eurem sozialen Umfeld überzuhelfen. Aber sei Dir gewiss: Auch wenn sie Dir das versichern, so richtig Bock haben sie auch nicht. Meistens sagen sie das nur, weil sie Dich mögen und um Dich nicht traurig zu machen. Und mal ehrlich, so sorgsam und liebevoll die Korrektur auch ausfallen mag, Verbindlichkeit oder gar eine Garantie gibt es nicht.

Der menschliche Faktor und warum er so eine große Rolle spielt

Bedenke auch immer, dass noch zwei menschliche Faktoren hinzukommen. Das ist zum einen die Nervosität, zum anderen die Hektik. Das kann zusätzliche Flüchtigkeitsfehler verursachen. Der zweite, viel wichtigere Punkt nennt sich Betriebsblindheit. Je nach Umfang nimmt eine wissenschaftliche Arbeit in der Regel bis zu sechs Monate Zeit in Anspruch. In dieser Zeit hast Du Deine Ausführungen oft, also wirklich oft gelesen und wirst trotz aller Motivation einfach nicht mehr in der Lage sein, Deine Arbeit hundertprozentig aufmerksam und objektiv nach Fehlern und Holprigkeiten zu durchkämmen.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Schnapp’ Dir einfach den nächsten Text, der in Deiner Nähe liegt. Etwa eine halbe A4-Seite reicht völlig. Versuch’, ihn in moderater Geschwindigkeit nun wieder und wieder zu lesen. Du wirst merken, schon etwa nach dem dritten Mal fällt es Dir – trotz gutem Willen – schwer, jedes Wort einzeln zu erfassen oder gegebenenfalls zu bestimmen, ob sich vielleicht ein Fehler eingeschlichen hat. In der Psychologie hat dieses Phänomen bestimmt einen Namen, doch was hier wichtig ist, ist die Erkenntnis: Wenn so etwas schon in so einem kurzen Text möglich ist, wie sieht das Korrekturlesen erst bei einer Arbeit mit bis zu 60 Seiten oder noch mehr aus?

Fazit: Alternative Lektorat und Korrektur aus professioneller Hand

Um solche Seitenzahlen sportlich zu meistern und dabei all diese Fehlerquellen zu berücksichtigen, braucht es Know-how, Erfahrung und Routine, sprich ein wissenschaftliches Lektorat. Im besten Fall bucht man hier nicht nur einen erfahrenen Lektor, sondern sichert sich gleich noch mit einer Plagiatsprüfung ab und bestellt, bei großer Frustration und Faulheit, die Formatierung der eigenen Arbeit auch noch mit. Die Masterarbeit, Bachelorarbeit und die Hausarbeit werden davon qualitativ profitieren. Zudem erkennt ab einem bestimmten Grad nur jemand mit einem geschärften Blick , ob das Thema verständlich aufbereitet ist und die Struktur stimmt und ob auch das Layout nicht verrutscht ist und alle Quellen ordentlich zitiert wurden. Abgesehen davon ist es doch unbezahlbar, einen Small Talk einfach mal so beginnen zu können: „Mein Lektor hat mir empfohlen, die Informationen eher in kurzen Sätzen zu verdichten, um die Gesamtaussage der Arbeit deutlicher herauszukristallisieren.“

greg

Blogger bei kleingebloggt
Servus! Mein Name ist Michael Gregor, ich bin E-Commerce Student an der FHWS, Blogger, Webworker und schon IT-Geek seit ich 1994 meinen ersten 386er hatte 🙂

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