27 Dezember 2014 ~ 8 Kommentare

tado°: Test und Erfahrungsbericht – die Heizungssteuerung, die mich Nerven kostet (Smart Home Teil 1)

tado test 1Smart Home war sicher so ein Schlagwort des Jahres, an dem man kaum vorbeikam. Gerade im Bereich der Heizungssteuerungen gibt es ja inzwischen einige bezahlbare Lösungen, seien es die internetfähigen Heizkörperthermostate wie MAX! oder gleich die Steuerung der kompletten Heizungsanlage per Smartphone und Web wie tado, das in eine ganz ähnliche Kerbe wie Googles neue Errungenschaft Nest schlägt, welches für den deutschen Markt aber noch nicht erhältlich ist. tado regelt die Temperatur, indem der komplette Ofen an- oder abgeschaltet wird, MAX! dagegen dreht nur automatisch die Heizkörper auf oder zu, was man vorher per Hand gemacht hat – bei tado dagegen gar nicht mehr tun muss, so heißt es jedenfalls. Beide Varianten habe ich in den vergangenen Jahren ausgiebig testen können, in diesem Artikel geht es um Letztere in Form der tado Heizungssteuerung, meiner neuesten Anschaffung in dieser Hinsicht. Demnächst werde ich aber auch noch einen Artikel zur MAX! Heizkörpersteuerung nachliefern, welche ich zuvor zwei Jahre genutzt habe.

Das Prinzip

Für tado braucht man eine eigene Heizunganlage zur der man Zugang hat, MAX! dagegen kann in jeder (Miet-)Wohnung problemlos nachgerüstet werden. Ich als großer Gadgetfan bin bei solchen Dingen ja immer gleich ganz vorne mit dabei. Also habe ich im Frühjahr diesen Jahres die Heizungssteuerung tado an meine betagte Gastherme gebastelt, da die 20 Jahre alte Steuerung nicht mehr wollte und die Heizung nur noch im sehr verschwenderischen manuellen Modus vor sich hin heizte. Ersatzteile gab es nur noch zu überhöhten Preisen, tado war da günstiger und kommt als fast universelle Lösung mit relativ vielen Werbeversprechen daher. Nicht nur, dass man ordentlich Heizkosten sparen kann, auch soll die Heizung dank Smartphone App sehr intelligent geregelt werden, je nachdem, ob man gerade zu Hause ist oder nicht – und auch, wie weit man von dort entfernt ist. Eben eine „smarte“ Lösung. Das nur noch kurz zum grundsätzlichen Verständnis. Ob das alles so eingehalten werden kann, möchte im folgenden sehr ausführlichen Erfahrungsbericht beleuchten. Als ich vor der Kaufentscheidung stand, fand ich leider nur wenige für mich magere Testberichte von Onlinemagazinen und deren Redakteuren, die mir irgendwie ein wenig zu euphorisch vorkamen. Ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen – und beweisen kann ich das schon gar nicht – hatte ich dabei aber den Eindruck, dass diese scheinbar das Paket kostenlos erhalten hatten und innerhalb von kurzer Zeit einfach ein tolles Fazit attestierten, längere Alltagserfahrungen gab es gar nicht. Ob und inwiefern meine Praxiserfahrung davon abweicht, kann hier nun im Detail nachgelesen werden.

tado test 4 tado test 5 tado test 6

Ich habe noch die erste Version der tado Box und dafür um die 250 Euro gezahlt. Diese besteht aus einem kleinen Thermometer (bzw. Thermostat genannt), das man sich ins Wohnzimmer stellt und der eigentlichen Box, die an die Heizung (z.B. Öl- oder Gastherme) als Schaltzentrale geklemmt wird. Bei der neuen tado Version hat das Thermostat eine Art kleines Display bekommen an dem man direkt die Temperatur ohne Smartphone regeln kann, die Box wurde optional und heißt nun Extension Kit, da sie bei einigen neuen Heizungsanlagen offenbar nicht mehr gebraucht wird – das gilt vorallem, wenn man bereits ein Raumthermostat hat. An der grundsätzlichen Funktionsweise des Systems dürfte sich aber nichts geändert haben, allerdings kostet das Set inzwischen komplett etwa 350 Euro, wenn man beide Komponenten benötigt. Leider gibt es keinerlei günstige Upgrademöglichkeit für Altkunden wie mich, was dann doch irgendwie schade ist. Denn das Regeln der Temperatur ohne die App wäre schon manchmal wirklich nett. An meine alte Heizungsanlage musste ich also erst einmal die Box anklemmen. Tado bietet hier per Web einen Installationswizard, der einen durch die einzelnen Schritte führt, je nachdem von welchem Hersteller die Heizung ist. So viel schon vorweg: Ein wenig Werkzeug – jedenfalls mindestens ein Schraubendreher – wird benötigt, ebenso Mut, an der Heizungsanlage selbst herumzubasteln. Alternativ wird auch per Telefon Hilfestellung geboten oder man kann gar einen Techniker ordern, der einem diese Arbeit abnimmt, das schlägt allerdings mit weiteren 119 Euro zu Buche. Hat man schon eine relativ moderne Heizung mit Thermostat im Zimmer, muss nur dieses ausgetauscht werden, das gestaltet sich dann ein wenig simpler und nur das tado Thermostat für 249 Euro wird dann benötigt.

Sowohl Werkzeug, als auch Mut habe ich mitgebracht, hatte ich mich doch zuvor schon intensiv mit meiner alten Anlage beschäftigt. Und so musste ich in meinem Fall auch nur zwei Kabel an eine Klemmleiste in der Gastherme schrauben, dabei half man mir aber sehr nett am Telefon. Direkt zwei Probleme hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits ausgemacht: Zum einen ließ sich die Onlineanleitung nur ein einziges Mal ausführen, wodurch ich überhaupt erst anrufen musste. Und da ich leider LTE-Telefonie geplagt bin und bei mir Tasteneingaben bei Sprachcomputern nicht funktionieren, kam ich zunächst gar nicht erst zum Support durch. „Bitte drücken Sie Taste xy …“, das klappt hier leider nicht. Ich musste es vom Handy aus probieren und war daher schon ein wenig wegen des schlechten Netzes genervt. Am Ende kam ich aber zum Ziel.

Die App: Vorsicht nervig!

Die Box war also angeklemmt, nun musste die Smartphone App installiert werden. Schon bei Login und Passwort wurde es aber tricky: Aus irgend einem Grund wurde bei der Passworteingabe immer nur der erste Buchstabe überschrieben. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Für jedes Zeichen musste ich die Tastatur aus- und wieder einblenden. Ein weiterer Nervfaktor. Als auch das geschafft war, konnte es losgehen. Im übrigen kann man die Einstellungen aber auch auf der tado Website setzen. Es ist ohnehin sehr einfach gehalten, man hat eine Home- und eine Away/Nacht-Temperatur. Darüberhinaus einen einfachen Zeitplan, also wann steht man morgens auf, wann geht man ins Bett. Das kann man bei Bedarf auch für jeden Wochentag individuell einrichten, aber mehr als diese zwei Grenzen gibt es nicht. Schließlich soll tado ja per Standorterkennung merken, wenn man sein Zuhause verlässt und dann automatisch absenken. Jedenfalls in der Theorie. Geht man mal eher ins Bett oder steht früher auf, so muss man dies jedes Mal manuell nachregeln. Das klingt einfach, doch die Usability der App hat mich schon mehrfach starke Nerven gekostet.

Die Temperatur wird mit simplen Slidern eingestellt. Einfach per Finger nach rechts oder links ziehen, fertig. Meint man. Die Reaktionsfreudigkeit dieser Elemente zeigt sich bei mir aber dermaßen eigenwillig, dass ich schon viel zu viel meiner Lebenszeit darauf verschwenden und nicht wenig fluchen musste. Bis der Slider sich in Bewegung setzt, können gut und gerne mal fünf oder mehr Versuche vergehen oder andersherum bleibt er während des Wischens einfach stehen. Wenn diese erste Hürde genommen ist und ich dann versuche mit viel Gefühl auf eine bestimmte Temperatur zu schieben – beispielhaft 20,8 Grad Celsius – und dann den Finger vom Display nehme, springt die Einstellung oftmals direkt wieder auf andere Werte wie z.B. 20,6° oder 20,9°. Nach dem achten Mal macht das keinen großen Spaß mehr und man gibt entweder einfach auf oder hat doch mal Glück. Ob und wie sinnvoll es ist, auf 0,1 °C genau einzustellen, muss natürlich jeder für sich selbst wissen, aber immerhin hat man dadurch komplette Freiheit. Wenn es denn wenigstens ordentlich funktionieren würde. Beim Zeitplan das gleiche Spiel: 8:00 Uhr…. loslassen…. *bling* 7:35 Uhr ist eingestellt. Arg!! Leider muss ich immer wieder viel Zeit an solchen Einstellereien vergeuden, bis endlich mal der Wert übernommen wird, den ich gerne hätte. Auch allgemein lassen die Reaktionszeiten der App beim Wechseln der verschiedenen Screens stark zu wünschen übrig und scheint etwas betagtere Smartphones sogar arg in die Knie zu zwingen. Da man diese für jeden Bewohner einrichten kann, habe ich dies sehr leidvoll am etwas älteren Samsunggerät meiner Freundin erfahren dürfen. Dank der tado App war das Ding zeitweise kaum noch zu gebrauchen. Doch selbst auf meinem Nexus 5 kann ich nicht immer von flüssiger Bedienung sprechen.

tado test 3 tado test 2

Nun, man könnte annehmen, dass man solche Einstellungen eigentlich nur ein einziges oder zumindest wenige Male vornehmen muss und dann alles in Butter ist. Leider zeigt mein Alltag, dass es so stressfrei in der Praxis nicht ist: Morgen Frühschicht, früher aufstehen, Aufstehzeit muss also angepasst werden. Eher ins Bett? Schlafzeit also wieder vorziehen. Spät Abends heimgekommen? Bude kalt, App muss her. Und warum darf ich wirklich nur eine einzige Wohlfühltemperatur über den ganzen Tag haben?

Grundsätzliche technische Schwächen

Besonders hervorheben muss ich dabei die extrem große Schwachstelle des Ein-Thermostat-Systems: tado richtet sich nach dem (einen) Thermostat, das man in dem Raum aufstellt, in welchem man sich hauptsächlich aufhält. Das dürfte üblicherweise das Wohnzimmer sein. Die Heizkörperregler soll man im Vorfeld alle ganz aufdrehen oder aber je nach Raum individuell einstellen und dann so belassen. Im Wohnzimmer beispielsweise auf die höchste Stufe, im Schlafzimmer vielleicht weniger und so weiter. Ganz nach individuellem Befinden. Um den Rest soll sich tado dann kümmern, die Regler an den Heizkörpern soll man nach Möglichkeit anschließend nie mehr anrühren. Leider ist dieses System alles andere als unproblematisch, wenn man mehr als ein oder zwei Zimmer hat. Ich möchte ja nicht mein komplettes Haus den ganzen Tag voll heizen, sondern einige Räume natürlich nur dann, wenn ich mich auch dort aufhalte, um nicht unnötig Heizkosten zu verursachen. Also habe ich die Heizkörper in diesen Zimmern nicht den ganzen Tag voll aufgedreht – was ja auch logisch erscheint. Ein immer wohlig warmes Arbeits- oder Hobbyzimmer mag ja nett sein, aber auch unnötig teuer, wenn ich dort nur ein paar Mal pro Woche für ein paar Stunden drin bin. Mein Auto draußen auf dem Parkplatz läuft auch auch nicht den ganzen Tag 😉 Habe ich bei tado also meine Wohlfühl-Home-Temperatur von z.B. 20,8 Grad eingestellt, dann wird genau diese im Wohnzimmer auch immer mehr oder weniger gehalten, wo ja auch das tado Thermostat steht. Gehe ich nun in mein Arbeitszimmer und drehe dort die Heizkörper auf, dann passiert genau gar nichts. Denn im Wohnzimmer hat es ja die Home-Temperatur, tado hat meine Heizung daher abgeschaltet! Erst wenn die Temperatur dort deutlich fällt, schaltet auch meine Heizung wieder ein und ich kann mein Arbeitszimmer erwärmen. Ich muss gestehen, diese Problematik haben wirklich alle Regelungen dieser Art, das liegt nicht speziell an tado – hier jedoch muss ich immer erst das Smartphone oder den Rechner hernehmen, um dann etwas einstellen zu können. Über dieses Prinzip mit einem (einzigen) Raumthermostat und dessen Sinn oder Unsinn wird daher auch im Internet in einschlägigen Haustechnikforen seit vielen Jahren heftigst diskutiert und gestritten. Denn entweder man hat prinzipiell alle Heizkörper in allen Zimmern immer aufgedreht und verschwendet dann natürlich auch jede Menge Energie zum Preis des Komforts oder aber man muss immer und immer wieder an der Anlage nachregeln. Ich muss dann beispielweise die Hometemperatur deutlich erhöhen per App, damit die Heizung anspringt und ich auch mein Arbeitszimmer (oder Bad, Schlafzimmer…) warm bekomme. Leider ist das recht umständlich und dank meines Erachtens schlechter Usability der App auch recht nervig. Ich habe sogar schon vergeblich per Mail an den tado Support appelliert, einen „Boost“-Knopf einzubauen, durch den man manuell die Heizungsanlage für eine bestimmte Zeit einfach mal kurz anspringen lassen kann. Die MAX!-Heizkörperthermostate haben eine solche Funktion, aber natürlich funktionieren diese auch nach einem anderen Prinzip und gehen davon aus, dass eine Heizungsanlage vorhanden ist, die immer Wärme liefert, wann immer man den Heizkörper aufdreht. Viele Leute halten daher eine zentrale Heizungssteuerung, die nur außentemperaturgeführt wird, für weitaus sinniger, als diese Variante per Raumthermostat, wo sich eine ganze Wohnung oder Haus nach einem einzigen Zimmer richten muss. Wie erwähnt ist dies aber ein großes Streitthema.

Am Rande noch: Ich habe damals bei tado mitbekommen, dass man auch plant, Heizkörperregler auf den Markt zu bringen für Leute ohne eigene Heizungsanlage. Sicher wird das ein Konkurrenzprodukt zum MAX! System, kann ich mir denken. Könnte man diese noch fiktiven Regler in Zukunft dann aber auch mit der zentralen tado-Steuerung koppeln, so bestünde ja die Möglichkeit, die Schwäche der Raumthermostatlösung zu umgehen. Ich könnte in mein kaltes Arbeitszimmer gehen, dort den Regler dann per Hand hochdrehen und dieser würde per Funk melden, dass das Zimmer gerne geheizt werden möchte und tado schaltet schließlich hierfür meine Heizung an, obwohl das Wohnzimmer warm genug ist. So stelle ich mir eine perfekte Verzahnung dieses möglicherweise kommenden Folgeproduktes vor, angefragt habe ich mehr als einmal bei tado im Laufe des Jahres, sagen konnte man mir da aber praktisch noch rein gar nichts, außer dass es nicht mehr dieses Jahr kommt.

Um es für Laien nochmals verständlich zu machen: Bewohnt man beispielsweise eine Mietwohnung mit Zentralheizung, ist man es gewohnt, einfach den Heizkörper aufzudrehen und es wird warm. Dies ist auch das Metier von MAX! (ich werde zu diesem System auch noch einen Artikel schreiben), hat man eine Wohnung oder Haus mit eigenem Ofen, so kommt eher eine Steuerung an dieser Quelle zum Einsatz, eine solche ist tado. Dann kann man die Heizkörper so viel aufdrehen wie man will, gibt das Raumthermostat nicht sein okay, wird nichts passieren, die Heizung bleibt aus und damit kalt. Es ist ein Spagat zwischen Komfort und Einsparung.

Die tado App selbst hat mich leider an vielen Ecken und Enden enttäuscht, sowohl was die erwähnte Usability angeht, als auch die technischen Hintergründe. Eine Kernfunktion des Systems soll ja schließlich die Erkennung sein, ob man Zuhause ist oder nicht. Es hört sich wunderbar an: Entfernt man sich von Zuhause, regelt die Heizung ganz intelligent herunter, je nach Entfernung. Nähert man sich wieder, wird stufenweise wieder erhöht. Rein werbetechnisch war das eine echte Killerapplikation. Für mich funktioniert es letztlich aber nur sehr eingeschränkt: Es wird die Standortbestimmung des Smartphones genutzt. So ein Android Smartphone beispielsweise nutzt ja selbst bei eingeschaltetem GPS dafür diverse Quellen: Das eher unpräzise Mobilfunknetz, das WLAN-Signal und natürlich den GPS-Sensor selbst, welcher Sensor bzw. Quelle dafür aber bevorzugt genutzt werden soll, kann man letztlich nur sehr bedingt beeinflussen, denn nicht immer wird auf das präzise GPS-Signal gesetzt (wohl auch aus Stromspargründen) und nicht immer ist dieses auch überhaupt zuverlässig, wie in Gebäuden. Netzempfang ist bei mir Zuhause leider nur ganz schlecht oder oft gar nicht vorhanden. WLAN funktioniert natürlich, GPS im Haus aber nicht wirklich immer. Checke ich meinen Standort daheim in Google Maps, so ist dieser zwar oftmals korrekt, manchmal jedoch denkt das Smartphone, ich wäre einige hundert Meter, manchmal sogar einige Kilometer entfernt, je nachdem, welcher Sensor gerade dafür tatsächlich abgefragt wird. Das sind natürlich auch die Daten, welche die tado App anzapft und recht kleinlich interpretiert. Ich hatte anfangs das Problem, dass nur wenige hundert Meter Abweichung dafür sorgten, dass tado mich oft als „away“ einstufte, obwohl ich Zuhause war. Die Heizung sprang also ständig zwischen Home und Away hin und her und hat immer wieder hoch und runter geregelt. Nach Rücksprache mit dem tado Support hat man meinen Home-Bereich deutlich vergrößert, dies hat zwar etwas geholfen, bei Sensorabweichungen in der Größenordnung von Kilometern – die leider nach wie vor sporadisch vorkommen – hilft auch das nicht. Die meiste Zeit habe ich dieses Feature also komplett deaktiviert und muss bei längerem Verlassen des Hauses wieder manuell nachregeln, was mir dank der tollen Slider ja auch immer so unheimlich viel Spaß macht 😉 Zuletzt muss noch erwähnt werden, dass die App – wenn ich doch mal wieder die Standorterkennung probiere – beim Heimkommen auch oft einfach komplett hängt. Auch nach einer halben Stunde bin ich angeblich noch nicht Zuhause, auch wenn die Geolocation korrekt arbeitet. Ich muss die App erst komplett abschießen und neustarten, erst dann wird plötzlich erkannt, dass nun im Home-Modus geheizt werden kann.

Das Nervpotenzial der App ist aber damit noch nicht ausgeschöpft. So gibt es diverse Statusleistenbenachrichtigungen, wenn man das WLAN oder GPS abschaltet oder den Flugzeugmodus nutzt. In jedem Fall meckert die tado App aus dem Hintergrund heraus, dass das doch keine so gute Idee ist. Ja selbst obwohl ich unterwegs die mobilen Daten aktiviert habe, jedoch das WLAN abschalte, bekomme ich sofort eine Benachrichtigung. Leider scheint tado ziemlich schnell ziemlich dumm zu werden, wenn mein Smartphone den Kontakt verliert. Im Zweifelsfall scheint dann einfach die letzte Einstellung beibehalten zu werden. Und so kann man auch schon einmal in ein kaltes Heim zurückkommen, weil unterwegs der Empfang oder Akku die Segel strich. Auch deswegen fahre ich meist die simple Art der Steuerung rein nach Zeitplan, ohne dass mein Standort mit einbezogen wird. Inklusive der vielen kleinen Wutausbrüche beim Versuch, die Slider richtig zu positionieren 😉

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Eines noch: Sowohl in der nativen, als auch in der Web-App kann man sich den Temperaturverlauf der letzten Tage und Wochen ansehen. Das ist an sich ganz nett. Man sieht zum Beispiel, wie stark die Temperatur nachts abfällt und auch wie lange es morgens dauert, wieder aufzuheizen. Leider ist die Ladezeit für diese Funktion nicht selten gefühlt ewig und auch ein Export dieser Daten ist in keinster Weise möglich. Sehr schade.

Bei all der Kritik sollte sich spätestens jetzt die Frage stellen, warum ich tado überhaupt nutze. Und nun sind versöhnliche Worte der Relativierung angebracht. Zum einen habe ich ja bereits erwähnt, dass die originale Steuerung meiner alten Anlage kaum noch zu realistischen Preisen zu bekommen ist. tado ist also eine universelle Ersatzlösung für mich. Zum anderen bin ich unter der Woche regelmäßig wegen des Studiums für mehrere Tage komplett außer Haus, ich kann also aus der Ferne die Heizung herunterregeln oder gar abschalten, eine solche Internetfunktion hatte die Therme selbstverständlich nie gehabt. Hier kommt das Sparpotenzial dann wirklich für mich zum tragen. Nicht ganz unerheblich für mich ist auch, dass hinter tado ja doch noch ein (hoffentlich weiterhin ambitioniertes) Startup steht, die Erwartung auf Nachbesserungen und neue Features besteht also nach wie vor. Auch wenn sich bei meinen verschiedenen Kritikpunkten und regem Feedback an das Unternehmen bislang noch nicht wirklich etwas getan hat. Zwar macht sich langsam die Befürchtung breit, dass man an diesem System womöglich doch gar nicht mehr so viel im Sinne der engagierten User weiterentwickeln möchte. Ich hoffe aber, mich in diesem Punkt zu täuschen.

Abschließend möchte ich daher klarstellen, dass ich trotz der vielen Kritikpunkte mit Spannung die – hoffentlich vorhandene – weitere Entwicklung von tado verfolgen werde und dem Projekt durchaus wohlwollend gegenüberstehe. Es sind ja bereits viele gute Ansätze und Ideen vorhanden. Einige Probleme sind zudem systembedingt, sei es Android oder die prinzipielle Basis an sich und müssen daher verschmerzt werden. Gerne würde ich tado auch mit weiterem Feedback und Ideen aus dem echtem Alltag eines Endnutzers zur Seite stehen, auch wenn meinen bisherigen durchaus gut gemeinten Rückmeldungen offenbar keine große Bedeutung geschenkt wurde. Ihr dürft euch wirklich sehr gerne bei mir melden, ich bin in dieser Hinsicht durchaus offen! Vielleicht hilft dieser Blogbeitrag dabei. Ein kleines Thermostatupgrade sollte dann aber schon drin sein 😀 SCNR

greg

Blogger bei kleingebloggt
Servus! Mein Name ist Michael Gregor, ich bin E-Commerce Student an der FHWS, Blogger, Webworker und schon IT-Geek seit ich 1994 meinen ersten 386er hatte 🙂

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8 Kommentare zu “tado°: Test und Erfahrungsbericht – die Heizungssteuerung, die mich Nerven kostet (Smart Home Teil 1)”

  1. Uwe 27 Dezember 2014 at 14:06 Permalink

    Hallo Michael,
    vilen Dank für dne ersten, meiner Meinung nach „richtigen“ Erfahrungsbericht über tado. Seit fast zwei Jahren warte ich darauf, dass meine Wolf-Therme unterstützt wird. Durch permanentes Weitersuchen bin ich auf controme punkt com gestossen und hoffe in Kürze meine Lieblingsfrau davon überzeugen zu können, dass wir das mal ausprobieren.
    Hier scheint das auch von Dir erwähnte Problem der ich-nehme-nur-die-Temperatur-aus-einem-Raum-Thematik gelöst zu sein. Zumindest verspricht das deren Werbung. Wir haben eine träge Fußbodenheizung und ein Zentalthermostat an der denkbar schlechtesten Stelle, so dass ich große Hoffnungen darauf setze.
    Vieleicht ist das ja auch für Dich von Interesse?

    Gruß
    Uwe
    P.S. Ich stehe in keinerlei Beziehung zu dem o.g. Anbieter. 🙂

  2. tado° Team 30 Dezember 2014 at 10:23 Permalink

    Hallo Michael,

    erstmal ein Kompliment für den super ausführlichen Testbericht. Das Feedback ist super wichtig für uns! Die Probleme, die du mit deinem tado° hast, habe ich nochmal an unser Support Team weitergeleitet. Die werden das nochmal genau unter die Lupe nehmen. Wie du schon geschrieben hast, gibt es einige Funktionen, die wir leider nicht beeinflussen können. Aber dort wo es geht, versuchen wir natürlich dein tado° zu deiner Zufriedenheit zum Laufen zu bringen.

    Wie schon oben kurz erwähnt, freuen wir uns immer über Feedback unserer Kunden, denn nur so können wir tado° nach euren Wünschen und Ideen weiterentwickeln. Wir sammeln natürlich alle Wünsche und versuchen dort wo es geht, diese umzusetzen. Wir arbeiten immer unter Hochdruck um euch ein einwandfreies Produkt zur Verfügung stellen zu können. Aber auch unser Team an Entwicklern und Programmierern hat begrenzte Kapazitäten, sodass es auch manchmal dauern kann, bis gewünschte Funktionen integriert werden können.

    Viele Grüße
    Dein tado° Team

    • greg 30 Dezember 2014 at 12:04 Permalink

      Hallo „tado° Team“ 🙂

      freue mich natürlich über eure Reaktion hier. Noch ein wenig mehr würde ich mich aber freuen, wenn es auch einmal ein paar ausführlichere Antworten auf die verschiedensten Fragestellungen geben würde, die sich so im Laufe der Zeit ergeben haben. Nicht böse gemeint, aber solche – wenn auch immer freundlichen – Antworten mit jedoch eher wenig Inhalt kenne ich von euch durchaus auf Feedback 😉 Ihr könnt euch natürlich Zeit dafür lassen, aber ich spreche direkt in Kürze noch einmal einige Punkte an:

      – Können tado°-Altkunden zum Beispiel günstig auf das neuere Thermostat umrüsten, oder sind die ursprünglichen 250 Euro in den Sand gesetzt und weitere nun 350 Euro müssen in die Hand genommen werden? Oder lässt sich vielleicht die Box beibehalten und nur das Raumthermostat austauschen?

      – Mag ja sein, dass die Slider bei vielen Leuten gut funktionieren, bei mir ist das aber nicht der Fall. Einfacher Vorschlag: Baut doch rechts und links vom Slider je ein kleines + bzw. – , das beim antippen genau 0,1° nach oben oder unten korrigiert. Würde niemanden stören und dann evtl. auch mal bei mir funktionieren.

      – Wegen Problemen mit der Standorterkennung, die ja immerhin eines eurer Killerargumente ist, aber mit am schlechtesten bei mir funktioniert: Warum kann der User seinen Home-Bereich nicht selbst definieren? Nicht nur die Adresse, auch den Umkreis. Dann könnte man auch ein wenig selbst ausprobieren, was am besten funktioniert.

      Überhaupt würde ich mir mehr eigene manuelle Einstellmöglichkeiten wünschen für Leute wie mich, bei denen die so gut gemeinten schlauen Funktionen leider nicht so laufen, wie sie gedacht sind. Ein wenig mehr als nur „um 7 Uhr aufstehen, um 23 Uhr in Bett, dazwischen bitte 20 Grad, ansonsten halt 17 Grad“ wäre schon ein Anfang.

      – Wie geht es denn weiter mit den angekündigten Heizkörperreglern? Kommen die in absehbarer Zeit tatsächlich? Werden sie mit der tado Box abstimmbar sein? Das von Uwe oben erwähnte Konkurrenzprodukt verspricht offenbar genau das: Heizungssteuerung und Heizkörperregler zusammen sorgen für eine richtige Steuerung, die nicht nur von einem einzigen Raum abhängig ist.

      Um ehrlich zu sein, nervt das Ein-Thermostat Prinzip wirklich desöfteren mehr als mir lieb ist. Gerade dies ein wenig intelligenter zu lösen, das wäre schon toll.

      Gruß, Michael

  3. tado° Team 5 Januar 2015 at 10:43 Permalink

    Hallo Michael,
    Danke für deine Antwort. Wie in der letzten Nachricht erwähnt, haben wir deine Vorschläge und Probleme natürlich schon an unser Support Team weitergeleitet, damit die sich das nochmal genauer anschauen. Hier jetzt schonmal die Antworten auf deine Fragen:

    – Können tado°-Altkunden zum Beispiel günstig auf das neuere Thermostat umrüsten, oder sind die ursprünglichen 250 Euro in den Sand gesetzt und weitere nun 350 Euro müssen in die Hand genommen werden? Oder lässt sich vielleicht die Box beibehalten und nur das Raumthermostat austauschen?

    Das tado° Smart Thermostat ist ein komplett neues Produkt mit neuem Set-up, daher kann leider nicht nur das Raumthermostats ausgetauscht werden. Es müssen alle Komponenten ausgewechselt werden. Mehr Informationen dazu gibt es auch auf unserem Blog https://www.tado.com/de/blog/das-neue-smart-thermostat. Das neue Produkt bringt u.a. erhöhte Kompatibilität und ein LED-Matrix Display mit. An der Funktionsweise unserer smarten Heizungssteuerung hat sich aber grundsätzlich nichts geändert, daher würde ich nicht von „in den Sand gesetzt sprechen“. Mietkunden können auf das neue Produkt upgraden. Kaufkunden können das neue Produkt ab 249€ (je nach Set-up) erwerben.

    – Mag ja sein, dass die Slider bei vielen Leuten gut funktionieren, bei mir ist das aber nicht der Fall. Einfacher Vorschlag: Baut doch rechts und links vom Slider je ein kleines + bzw. – , das beim antippen genau 0,1° nach oben oder unten korrigiert. Würde niemanden stören und dann evtl. auch mal bei mir funktionieren.

    Danke für das Feedback. Habe das bereits an unser Entwickler Team weitergeleitet. Änderungen sind hier schon geplant.

    – Wegen Problemen mit der Standorterkennung, die ja immerhin eines eurer Killerargumente ist, aber mit am schlechtesten bei mir funktioniert: Warum kann der User seinen Home-Bereich nicht selbst definieren? Nicht nur die Adresse, auch den Umkreis. Dann könnte man auch ein wenig selbst ausprobieren, was am besten funktioniert.

    Ja, vollkommen richtig. Das ist schon auf unserer Agenda.

    Überhaupt würde ich mir mehr eigene manuelle Einstellmöglichkeiten wünschen für Leute wie mich, bei denen die so gut gemeinten schlauen Funktionen leider nicht so laufen, wie sie gedacht sind. Ein wenig mehr als nur “um 7 Uhr aufstehen, um 23 Uhr in Bett, dazwischen bitte 20 Grad, ansonsten halt 17 Grad” wäre schon ein Anfang.

    Danke auch hier für das Feedback! Wir wissen, dass diese Funktion für euch wichtig ist, deshalb arbeiten wir bereits für euch daran. Ist für Q1/2015 geplant.

    – Wie geht es denn weiter mit den angekündigten Heizkörperreglern? Kommen die in absehbarer Zeit tatsächlich? Werden sie mit der tado Box abstimmbar sein? Das von Uwe oben erwähnte Konkurrenzprodukt verspricht offenbar genau das: Heizungssteuerung und Heizkörperregler zusammen sorgen für eine richtige Steuerung, die nicht nur von einem einzigen Raum abhängig ist.

    Wir arbeiten daran, aber leider wird das noch einige Zeit dauern, bis wir euch hier eine finale Lösung anbieten können. Wie diese dann genau aussieht, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Sobald es hier News gibt, lassen wir es euch wissen.

    Um ehrlich zu sein, nervt das Ein-Thermostat Prinzip wirklich desöfteren mehr als mir lieb ist. Gerade dies ein wenig intelligenter zu lösen, das wäre schon toll.

    Wir arbeiten bereits an einer Multizone-Lösung, so können dann mit weiteren tado° Thermostaten weitere Heizzonen angesteuert werden.

    Viele Grüße
    Dein tado° Team

    • greg 5 Januar 2015 at 11:47 Permalink

      Vielen Dank! Das klingt doch schon mal wirklich interessant und vielversprechend. Ich bleibe gespannt!

      Gruß

  4. Thomas 25 Januar 2015 at 15:07 Permalink

    Hallo Michael,
    kurz vor dem Kauf von tado für meinen größeren Einfamilienhaus bin auf Deinen sehr guten Bericht gestoßen.

    Zuerst für die sehr detiallierte Beschreibung und Deine Neutralität, das schafft nicht jeder, die meisten von uns können sich nicht beherschen und wollen nur Dampf ablassen 🙂

    Wieso bin ich hier: seit sehr langen Zeit nutze ich Netatmo (Basis + zwei weitere Stationen) und die sind sehr stabil. Die haben auch Thermostate im Angebot aber leider nichts für die Heizung… Ich will genau wie Du die Heizung und einzelne Räume stuern….
    Was ich schlimm finde, Netatmo wie auch tado sind properitär wie z.B. die alten Bussysteme… Schade, daß wieder die alten Fehler in der neuen [App]- Welt wiederholt werden 🙁

    „I’ve a dream“ daß mein Dect-Fritztelefon spielt nicht nur Internet Radio sondern ich kann damit auch:
    – alle meine Miele@Home Geräte steuern
    – Temperatur von Netatmo ablesen
    – Warmwasser in der Heinzung ein/ausschalten
    – Thermostate steuern
    mal schauen, ich glaube ich werde eigenes Start-Up gründen, wer ist dabei?
    Wir müssen es nicht so wie WeTab oder Casacontrol tun :-)))

    Viele Grüße
    Thomas

  5. Alexander 13 Dezember 2015 at 12:01 Permalink

    Hallo,

    vielen Dank für den sehr ausführlichen Bericht zu Tado. Mir hat das Prinzip der smarten Heizungssteuerung gut gefallen. Deshalb überlege ich momentan auch mir Tado zuzulegen.
    Sind die erwähnten Kritikpunkte verbessert worden? Ist das System inzwischen im Alltag zuverlässig zu gebrauchen? Oder sollte man warten bis Nest oder ähnliches in Deutschland verfügbar ist?
    Über eine Antwort würde ich noch sehr freuen.

    Viele Grüße
    Alexander

    • greg 23 Dezember 2015 at 13:09 Permalink

      Hey Alexander,

      ja, es ist sehr vieles verbessert worden. Die App wurde besser und durch Kontakt mit dem Support auch meine Anwesenheitserkennung, indem falsche Signale in Zukunft herausgefiltert werden.

      Was bleibt ist der Nachteil des Ein-Thermostat-Systems. Ich habe mich bis heute noch nicht vollständig daran gewöhnen können. So ist es auch immer ziemlich doof, wenn ich mein Wohnzimmer mal kurz lüfte… schon springt die Heizung an. Oder wenn man im Schlafzimmer friert und es passiert nix, weil das Wohnzimmer ja noch warm ist. Muss jeder selbst wissen… Aber ich denke seitens tado wäre da für die Zukunft noch so einiges möglich, durch die App zu verbessern (kurze Boost-Funktion zum Beispiel). Mal sehen, was da noch so kommt – und ob!

      Viele Grüße
      Greg


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