06 März 2014 ~ noch keine Kommentare

Blogartikel gegen Geld verkaufen, wie teuer und ja / nein / vielleicht?

geld_fuer_blogartikel

Eine ehrliche Frage und ich fragte mich das eigentlich selbst desöfteren dieser Tage und habe keine universelle Antwort darauf. Und um noch ehrlicher zu sein, schreibe ich diesen Artikel auch deshalb, um vielleicht selbst ein paar Eingebungen von euch darauf zu bekommen, gerne als direkten Kommentar hier. Damit dieser Text aber nicht ganz enttäuschend für meine Leser ausfällt, möchte ich zumindest meine bisherigen Erfahrungen mit euch teilen.

Diese ganz plumpen Anfragen kennen sicher viele von euch:

Wir würden gerne einen Artikel bei Ihnen veröffentlichen, Ihr Blog profitiert davon, bla bla bla

So manche SEO-Agentur versucht es also auf die billigste erdenkliche Weise und bietet nicht einmal eine ernsthafte Gegenleistung. Man soll sich wohl einfach geschmeichelt fühlen. Nun ja. Wer darauf hereinfällt, mag ich nicht abschätzen, ich kann nur hoffen, dass es nicht zu viele Blogger von euch sind. Einige Agenturen sind aber wenigstens so ehrlich und (halbwegs) transparent zu sagen, dass sie gerne einen Artikel in einem meiner Blogs für einen Kunden veröffentlichen würden und fragen direkt nach „meinen Konditionen“. Ich muss vorweg sagen, dass ich mir über die Jahre ein paar verschiedene Blogs aufgebaut habe, die meisten entstanden als Affiliateprojekte, in denen ich hauptsächlich bestimmte Produkte, Tarife und Angebote vorgestellt habe, natürlich mit eigenen Reflinks. Also gewerbliche Blogs mit dem Ziel, damit auch ein wenig Geld zu verdienen. Das ging mal mehr, mal weniger erfolgreich. Die letzteren Fälle endeten dann in der Regel als „Blogleichen“, in denen sich irgendwann nicht mehr viel tat, da mir der Aufwand zu groß wurde und nicht wirklich etwas dabei herumkam. Natürlich habe ich anfangs ein wenig SEO-Aufwand dort reingesteckt, sonst würden derartige Anfragen wohl auch nicht kommen – ein Link von diesen Blogs ist also nicht ganz wertlos. Auch möchte ich nochmals anführen, dass dieser Blog hier – kleingebloggt – nicht dazu gehört. Hier blogge ich wirklich direkt persönlich und ohne vorhersehbare gewerbliche Ziele, wonach mir eben ist.

Doch wie geht man nun mit den offensichtlichen Angeboten um? Dies ist, so finde ich, ein schwieriges und sehr individuelles Thema. Aber ich berichte einfach mal aus eigener Erfahrung. Meist habe ich solche Anfragen direkt in den Spamordner befördert, da sie einfach zu billig erschienen oder mir mein Blog, in dem man gerne den Artikel sehen mochte, zu wichtig war, als dass ich dort sowas zugelassen hätte. Man muss sich schon selbst fragen, wie sehr man sich verkaufen möchte. Denn eines sei klar: Man bekommt meist einen hingerotzten Text in „Praktikantenqualität“ zu Thema X, in dem ein Link zu einer beliebigen Seite (dem Kunden der Agentur) platziert wird – und nur um den Link geht es letztlich. Aber gut, manchmal kann man ein wenig Geld ja durchaus gebrauchen und wenn dann auch noch ausgerechnet ein eher toter Blog von mir angefragt wurde, der mir nicht mehr wirklich am Herzen liegt, warum denn nicht?

Ich habe da bisher „immer“ (so oft kam das bei mir noch nicht wirklich vor) etwa 80 bis 90 Euro netto ausgehandelt, jedenfalls wenn man mir den Artikel auch noch auf dem Silbertablett präsentiert hat und er in einem für mich unwichtigen Blog gelandet ist, in dem ich schon lange nichts mehr geschrieben habe. Der Preis hängt sicherlich von sehr vielen Faktoren und dem eigenen Verhandlungsgeschick ab. Interessanterweise hat man mich nie nach der Besucherzahl gefragt, man hat also den jeweiligen Blog wohl einfach nur durch irgend ein SEO-Tool gejagt, geschaut wie dieser bei bestimmten Keywords rankt und dementsprechend die Anfrage herausgeschickt. Ob ich mich da eventuell zu billig verkauft haben könnte, habe ich mich natürlich auch immer gefragt, gerade schon deshalb bin ich auf Kommentare hier gespannt. Anfangs habe ich diverse Anfragen allerdings ganz frech mit einer Forderung von 200 Euro abgewehrt, worauf ich auch immer sofort eine Absage kassierte. Die Wahrheit liegt also wie so oft irgendwo dazwischen. Andererseits wurden mir in früheren Jahren für richtig gute Projekte von mir ganze Linkmieten für 20-30 Euro pro Monat angeboten. Darauf ging ich aber nie ein, eben weil es gute Projekte waren und das auch bleiben sollten.

Erwähnenswert ist sicherlich aber auch, dass ich die Rechnung letztlich meist an eine Firma im Ausland gestellt habe, auch wenn mich immer ein deutschsprachiger Mitarbeiter kontaktiert hat – und nein, tatsächlich kein gebrochenes Google-Translate-Geeiere.

Also was? Ja, nein, vielleicht?

Ich habe ja bereits angekündigt, hier keine allumfassende Lösung zu haben. Ich kann daher nur Tipps nach meinem eigenen Gefühl abgeben: Führt ihr einen eigenen Blog, in dem viel Persönlichkeit von euch selbst steckt, der euch auch am Herzen liegt, würde ich spontan von solchen Deals abraten. Ihr holt euch recht wahrscheinlich Texte minderer Qualität ins Haus, die ihr vielleicht nicht wirklich mit der Grundidee eures Blogs vereinbaren könnt, auch wenn grundsätzlich „themenrelevante Texte“ versprochen werden. Soll man dagegen den Text auch noch selbst verfassen, wie es häufig ebenfalls verlangt wird, sollte man mindestens an der Preisschraube drehen, da man sich auch noch deutlichen Mehraufwand damit macht. Da sollte man sich schon gut überlegen, ob man das „Spritgeld“ gerade wirklich nötig hat oder darauf verzichten kann. Ist es eher ein alter, abgelegter Blog, dem man nicht mehr groß nachgeht, kann man sich wohl zu Recht durch den Kopf gehen lassen, die Bezahlung vielleicht doch einzustreichen und somit wenigstens die Domainkosten mehr als zu kompensieren. Haben oder nicht haben. Der Stundenlohn für die paar Klicks (bei bereits fertigem Text!) ist jedenfalls fürstlich. Interessant auch die folgende Frage: Was machen die anfragenden Agenturen eigentlich, wenn man den Link, Blogbeitrag oder gar den ganzen Blog dahinter einmal komplett löscht? Ein Schelm, wer jetzt böses denkt, ich habe das selbst noch nicht ausprobiert und möchte auch nicht zu möglicherweise dummen Ideen anstiften. Aber ganz ungerechtfertigt dürfte diese Überlegung sicher auch nicht sein. Ab und zu las ich aber schon die Notiz, der Artikel solle mindestens ein Jahr online sein. Denn wer kann das schon bis in die Ewigkeit garantieren?

Unterscheiden würde ich dabei auch noch nach der Art der Anfrage. Es kommt durchaus schonmal vor, dass eine Agentur oder Firma wirklich ihre Hausaufgaben gemacht hat und ganz spezielle Angebote macht. Beispielsweise ein Review für ein Computerspiel oder eine Software aus ihrem Hause. Ich kenne Blogger, denen wurde ein kostenloses Spiel oder Softwarelizenz gegen einen Blogbeitrag angeboten, auch ich habe ähnliches bereits ausgehandelt. In solchen Fällen sollte man einfach den gesunden Menschenverstand einschalten: Passt das Produkt zum Blog, würde es euch persönlich sowieso interessieren, hättet ihr es womöglich auch unabhängig davon vorgestellt und vorallem: Dürft ihr ein unvoreingenommenes und kritisches Review erstellen, ohne dass man von euch werbliche Lobeshymnen erwartet? Wenn man das alles mit „ja“ beantworten kann, sehe ich keinen Hinderungsgrund. Solange man seine Seele nicht dafür verkaufen muss, ist ein kleines Taschengeld dafür nicht zwingend eine schlechte Sache. Wenn doch, sollte der Blog dahinter so wertlos für einen selbst sein, dass man es verantworten kann.

Was sagt Google dazu?

Googles Ansicht zu bezahlten Blogbeiträgen sollte eigentlich bekannt sein. Meines Wissens wird bei entsprechenden Praktikten verlangt, den Beitrag als Anzeige zu kennzeichnen und die Links auf nofollow zu setzen, wenn man keine Abstrafung riskieren möchte. Aber ja nun, fraglich ist hier sicherlich, wo man da die Grenze zieht. Ist ein eigenes Review schon eine Anzeige? Sicher ein schwieriges Thema.

Auch wenn ich mich sicher nicht missverständlich ausgedrückt haben sollte, stelle ich dennoch klar: Wer einen ehrlichen und persönlichen Blog starten möchte, sollte solche Überlegungen wie in diesem Artikel erstmal ganz vergessen und ungeachtet lassen. Macht euer Ding und lasst euch nicht einfach kaufen, es sei denn ihr habt ohnehin nur einen reinen Affiliateblog gestartet, der Geld in die Kasse bringen soll. Viele Anfragen zu bezahlten Artikeln sind tatsächlich eher unseriös, dies fällt dem gesunden Auge aber meist auch auf. Hirn anschalten, dann passt das schon. Ich kann noch an einer Hand abzählen, auf wieviele Angebote ich mich eingelassen habe, während die Anzahl der Angebote selbst schon bald unzählbar ist.

Tja, und wie handhabt ihr solche Dinge? Habt ihr auch schon solche „unmoralischen“ Angebote bekommen? Ich bin richtig gespannt!

greg

Blogger bei kleingebloggt
Servus! Mein Name ist Michael Gregor, ich bin E-Commerce Student an der FHWS, Blogger, Webworker und schon IT-Geek seit ich 1994 meinen ersten 386er hatte 🙂

Letzte Artikel von greg (Alle anzeigen)

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentare werden moderiert, es kann also etwas dauern, bis dein Kommenatar angezeigt wird.

RSS abonnieren
Twitter Profil