31 Januar 2014 ~ 8 Kommentare

Wer kauft denn die ganzen Bitcoin Miner bei eBay (oder überhaupt)?

bitcoin

Man muss sich schon schwer über manche Leute wundern. So frage ich mich aktuell, welche Art von Menschenschlag das sein mag, der auf eBay die ganzen Bitcoin Miner (Avalons, Jalapenos, Block Erupter!) zu Wahnsinnspreisen aufkauft, die von dieser Hardware nie mehr in Form von Bitcoin erwirtschaftet werden. Also niemals. Eher wird man, sofern man keinen kostenlosen Strom bezieht, irgendwann sogar noch weiter draufzahlen. Also wer kauft da diese 60 GH/s Miner für 2000 Euro oder mehr, ohne sich jemals Gedanken über sowas zu machen??

Ich kann nur beten, dass wenigstens ein potenzieller Käufer das hier vorher liest:

Du willst einen Bitcoin Miner kaufen? Lass es!

Nur eine kleine Kalkulation, nachdem ich mal einen recht guten Mining Calculator angeworfen habe, der die ständige Erhöhung der Difficulty berücksichtigt (Link am Ende des Artikels): Nehmen wir einen 60 GHash Avalon oder BFL Single, der auf eBay wirklich für rund 2000 Euro weggeht. Das entspricht im Moment etwas mehr als 3.35 BTC. In einem Jahr bringt das Ding durch Mining insgesamt aber nur geschätzte 1.61 BTC ein. Am Ende dieses Jahres kommen dabei pro Woche gerade mal noch 0.004 BTC heraus und es wird weiterhin alle zwei Wochen noch weniger und weniger bis es schließlich gegen Null strebt. Nach zwei Jahren hat man deswegen – immernoch insgesamt! – nur etwa 1.67 BTC. Mehr wird es auch nicht werden. Wir machen also ein Minus von über 1.6 BTC. Wenn das Ding zwei Jahre 24/7 durchläuft, wohlgemerkt!

Ich habe dabei mit 30% Difficulty-Anstieg pro Monat rechnen lassen, in der Praxis steigt diese aber eigentlich schon lange im Zweiwochenzyklus bereits um 20-30%, ich habe also noch recht gutmütig kalkuliert. Und nein, die wird eher nicht wieder fallen, da Bitcoinminer – ich meine damit die Personen, die das tun – scheinbar wie der Esel mit der Karotte sind. Das Problem an der Sache: Diese Rechnung geht noch davon aus, dass man kostenlosen Strom bezieht, was nur auf die wenigsten unter uns zutreffen dürfte. Gehen wir mal von 250 Watt Stromverbrauch und 25 Cent pro Kilowattstunde aus (auch das wieder sehr gutmütig, wie man sieht), bekommen wir 2190 kWh pro Jahr oder 547,5 Euro. Das ist in etwa schon fast der Verbrauch eines durchschnittlichen Einpersonenhaushalts.

Fassen wir zusammen: Man gibt 2000 Euro aus, um in zwei Jahren Bitcoins im Wert von 1000 Euro zu minen, zahlt dafür aber 1000 Euro Stromkosten. Wer findet den Fehler? 😉 Ganz Schlaue werden nun denken “aber was wenn der Bitcoin bis dahin 10000 Euro pro Stück Wert ist?”. Stimmt, dann haben wir keinen Verlust. ABER: hätten wir unsere 2000 Euro zu Anfang nicht in die Hardware, sondern direkt in Bitcoins investiert, hätten wir am Ende fast doppelt so viele und keine Stromkosten gehabt.

Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass dieses Beispiel genauso auf nagelneue superduper-Terahash-Miner zutrifft, nur in etwas anderem Ausmaß. Bei eBay fällt die tatsächliche Dummheit nur direkter auf. Bei ganz aktuellen ASIC-Herstellern ist das Prinzip ein wenig anders: Es wird Hardware versprochen, die eine wahnsinns Hashleistung bringt. Potenzielle Kunden reiben sich die Hände und haben Dollarzeichen in den Augen. “Die Lizenz zum Gelddrucken!”. “Das Teil bringt ja 10000 Euro pro Monat!!!”. Und so fort. Das Problem: Man kann grundätzlich immer nur vorbestellen (zahlen natürlich bitte sofort), die Hardware wird vollmundig angepriesen für das nächste oder übernächste Quartal, in acht Wochen, oder wie auch immer. Nun sind schon wenige Wochen in der Bitcoinwelt aber bereits eine Ewigkeit: Die Difficulty ist soweit gestiegen, dass nur noch ein Bruchteil beim Mining herauskommt. Und in der Praxis hat zudem wohl noch kein Hersteller seine Versprechen eingehalten, BFL dürfte da sicherlich ein Rekordhalter sein: Soweit ich mich erinnere, hat man seine Miner über ein Jahr lang für “nächsten Monat” angekündigt. Als die Teile irgendwann ausgeliefert wurden, waren sie noch kaum für mehr als bessere Briefbeschwerer zu nutzen. Siehe wieder das Beispiel oben mit den eBay Minern.

Abschließend noch zwei Links mit weiterführenden Infos: Ein guter Text, der Anfängern erklärt, warum Mining nicht lohnt, sowie ein Mining Calculator zum selbst herumrechnen. (in meinem Beispiel habe ich die Berechnungsvariante v1 gewählt. v2 wäre noch vernichtender)

PS: Ja, ich war vor etwa einem Jahr auch mal so blöd, daher darf ich das hier schreiben! 😉 Die Situation rund um Bitcoin, Mining, Difficulty und ASICs/FPGAs war zwar damals insgesamt noch etwas entspannter als heute, aber unterm Strich kam es auf das Gleiche heraus. Und natürlich habe ich das Geld bzw. die BTC für die spezielle Bitcoinhardware nie mehr reinbekommen. Aber wenigstens gabs auf eBay noch nen guten Preis 😛

PPS: Was sich dagegen lohnen kann, ist das Mining von alternativen Cryptowährungen, die den Scrypt Algorithmus nutzen, da diese bislang auch weiterhin nur mit Grafikkarten ordentlich gemined werden können. Zum Beispiel Litecoin (LTC) oder ganz neu auch Dogecoin (DOGE). Allerdings nur unter den engen Voraussetzungen, dass man

  • sowieso die Hardware herumliegen hat, allen voran eine leistungsfähige (!) AMD (!) Grafikkarte
  • nichts oder extrem wenig für Strom bezahlt (Studentenwohnheim, *hust*).

Vielleicht ein andermal mehr dazu, aber wie gesagt, das Ganze kann überhaupt nur in einem recht engen Rahmen profitabel sein. Bloß nicht losrennen und jetzt Grafikkarten kaufen, das kann schnell nach hinten losgehen. Wobei natürlich eine Grafikkarte später einfach wiederverkäuflich ist, da man eben auch andere Dinge als Mining damit betreiben kann. Bei einem ASIC bleibt nur der Briefbeschwerer. Andererseits: Wer weiß, wie lange eine Grafikkarte bei dieser 24/7 Vollbelastung am Leben bleibt. Meine Erfahrungwerte sagen, dass diverse Modelle schon nach wenigen Wochen hinüber sein können, während andere nach Monaten noch schön vor sich hinlaufen.

greg

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Servus! Mein Name ist Michael Gregor, ich bin E-Commerce Student an der FHWS, Blogger, Webworker und schon IT-Geek seit ich 1994 meinen ersten 386er hatte 🙂

8 Kommentare zu “Wer kauft denn die ganzen Bitcoin Miner bei eBay (oder überhaupt)?”

  1. Stefan Grabner 1 Februar 2014 at 14:20 Permalink

    Sehr schöne Beispielrechnung. Interessanterweise hatte ich dazu erst vor etwa einer Woche eine Vorlesung (wir haben´s ins Thema Kryptografie eingebracht) und der Lektor kam mit seinem Bitcoin Rechner zu dem Schluss (war auch die 60 GH/s Maschine) das dennoch etwa 30.000 Dollar Gewinn rauskommen sollten. Können die Berechnungsprogramme der Seiten derart unterschiedliche Ergebnisse liefern?

  2. Vince 2 Februar 2014 at 11:21 Permalink

    Wer verkauft denn die ganzen Bitcoin-Miner bei Ebay oder überhaupt? Ich muss mich gerade ein wenig über deine Beweggründe wundern. Einerseits gibst du vor, andere mit deinem Artikel vor einer Dummheit bewahren zu wollen, indem du sie über den wirtschaftlichen Unsinn dedizierter Mining-Hardware aufklärst, andererseits musst du doch zugeben, dass du einen ziemlichen Knick in deinem Heiligenschein hast, wenn du gleichzeitig deine Mining-Hardware bei Ebay verscherbelst (ohne Hinweis auf ein todsicheres Verlustgeschäft für den Käufer) und so irgendeinen Dummen in die Falle laufen lässt. Nichts für ungut, das soll auch gar kein persönlicher Angriff sein. Mir fällt nur die Schizophrenie hinter dem Artikel auf, dessen Grundidee du ganz schnell selbst zu vergessen scheinst, sobald es um deinen eigenen finanziellen Vorteil geht.

    Ansonsten gefällt mir der Artikel sehr gut. Informativ genug, um mich in meiner Meinung bestätigt zu fühlen, nicht jetzt noch mit dem Mining anzufangen 😉

    • Mark100 6 August 2014 at 09:29 Permalink

      Vince, was heißt da Knick im Heiligenschein ?
      Er könnte auch einfach seine Hardware verhökern und sagen: Alles prima, macht und mit meinem Eisen kappts noch doller !!

      Durch diese aufklärende Seite passiert das Gegenteil wie ein Knick im Heiligenschein, weil er Leute aufklärt und warnt, daß sie eben nicht reinfallen. Wie mich gerade z.b.
      Das jemand seine alte Hardware verkäuft ist doch völlig klar, würdest du sie denn wegwerfen nur weil ein Linker dir vorwirft, ein Heuchler zu sein ?
      Ausgerechnet:)

  3. greg 2 Februar 2014 at 12:17 Permalink

    Jetzt bist du aber etwas vorschnell und schwarz-weiss-malerisch. Der Verkauf meiner Hardware hat mich überhaupt erst zu diesem Artikel bewogen. Ich hatte diese einfach für 1 Euro auf eBay gestellt und mich dann gewundert, wieviel auf sowas noch geboten wird. Die kompletten technischen Daten und Hashrate hatte ich alles korrekt angegeben. Dass ich nicht “damit verdienen Sie noch x Euro” dazugeschrieben habe, lasse ich mir an dieser Stelle aber nicht vorwerfen. Wer mündig und geschäftsfähig ist, muss schon selbst verantworten, was er zu welchem Preis kauft, ohne an die Hand genommen zu werden.

    Die Bitcoin-Miner Hersteller verurteilst du an dieser Stelle ja schließlich auch nicht, die einen ganzen Wirtschaftszweig darauf aufgebaut haben. Würde ich beruflich solche Teile verschachern, müsste ich mir den moralischen Schuh womöglich anziehen. Da ich aber nur meine private Hardware – im Endeffekt übrigens auch mit großem Verlust – veräußert habe, kann ich ganz gut schlafen. Den Ausgang der Auktion kannte ich natürlich nicht und letztendlich warne ich hier sogar in einem Beitrag vor dieser Dummheit. Der Kosmos sollte mindestens ausgeglichen sein 🙂

  4. Vince 2 Februar 2014 at 14:19 Permalink

    Falsch. Dass ich die Bitcoin-Miner-Hersteller kritisiere verdient einfach keiner besonderen Erwähnung, weil es deren Geschäft, deren Absicht ist, dumme Menschen auszunehmen. Deinem Artikel entnahm ich die gegenteilige Absicht.

    • Mark100 6 August 2014 at 09:41 Permalink

      Vince, siehs einfach mal so: Einer tut einen warnenden guten Artikel schreiben oder er tut es nicht.
      Wie geht es in deinem Kopf zu, daß aus einem guten, warnenden Artikel etwas schlechtes wird ?
      Der Autor dieser Seite schadet sich – wenn schon – eher noch, weil einer der seinen Artikel liest evtl. seine Hardware gar nicht mehr kaufen mag.
      Mittlerweile hat er sie wünschenswerterweise doch losschlagen können.

      Finde dein Gemecker penetrant und naseweis und du bist sehr unfair, ich nehme an du bist noch jung und hast in dieser armseligen Ideologengesellschaft eben keine Werte mitbekommen.
      Du würdest bestimmt keine teure Hardware die du nicht mehr brauchst verstauben lassen, statt sie zu verhökern. Niemand würde das, also mach hier nicht fremde Heiligenscheine kaputt, nur weil du nicht mal einen geknickten hast.
      Neidgesellschaft, bäh.

  5. greg 2 Februar 2014 at 14:56 Permalink

    Vergessen wir nicht, der Dümmste von allen in dieser Kette, war ich letztendlich selbst. Diese kleine moralische “Spitzfindigkeit”, meine Hardware (wir reden hier nicht von 3000 Euro Avalons, sondern einem Taschengeldgeschäft) nicht auf dem Dachboden herumliegen zu lassen, sondern eben auf dem freien Markt “auf gut Glück” zu veräußern… nun, die erlaube ich mir an dieser Stelle einfach mal, ohne ein besonders schlechtes Gewissen zu haben – du darfst nicht vergessen, dass ich keinerlei Versprechungen gemacht habe. Natürlich habe ich mich über einen für mich noch einigermaßen vorteilhaften Preis gefreut – alles andere wäre ja auch weltfremd zu behaupten 🙂

  6. Mark100 6 August 2014 at 09:43 Permalink

    Greg, danke für den Artikel, hat mir die Augen geöffnet.
    Und dieser Stinkstiebel ist einer derjenigen denen du es nicht Recht machen kannst, die von den einen Perfektion erwarten und für sich selber mit einem wirklich dummen Sabbergrinsen dann ganz andere – viel genehmere ! – Maßstäbe ansetzen.


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