13 Mai 2013 ~ noch keine Kommentare

Verblödungscommunities im Netz, oder wie Unwissen das Internet überschwemmt.

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist der letzte Beitrag her. Man merkt mir eben die faule Jogginghosenarbeitsmoral an. Also höchste Zeit, sich mal wieder aufzuregen und zwar dieses Mal über einen Teil der Netzwelt, der mir so nützlich wie Fußpilz scheint: Die Ratgeber- und Wissenscommunities, die inzwischen fast jede Googlesuche dominieren und es meiner Meinung nach über die Jahre schwerer gemacht haben, sinnvolle Informationen zu finden. Oder wie ich es nenne, „Wer weiß nichts?!“. Ich denke zwar eigentlich nicht, dass ich es noch extra erwähnen muss, aber natürlich ist auch dieser Artikel nur meine persönliche Meinung und ich beziehe mich keinesfalls auf bestimmte Angebote im Netz sondern sehe auf diese Ratgebercommunity-Landschaft als Ganzes. Eventuell als beleidigend interpretierbare Aussagen dienen der absichtlichen Übertreibung und Dramatisierung 😉

Prinzipiell ist die Grundidee ja nicht schlecht, doch hat sich meiner Meinung nach über die Jahre gezeigt, dass einfach nur verschwendete Datenberge dabei herauskommen, wenn Menschen anderen Usern Ratschläge geben wollen, die vermutlich selbst nicht mal dazu fähig sind, eine Banane zu öffnen. Gefühlt die Hälfte der Antworten auf solchen Ratgeberseiten beginnen mit „Also ich habe zwar keine Ahnung von dem Thema, aber ich würde mal sagen, dass….“, alternativ auch orthografisch eher in der Form „ich wei’s dass zwar nicht aber ich glaube das…“. Gefolgt von hahnebüchenem Halb- und Unwissen. „Hallo?! Wenn du keine Ahnung hast, dann halte doch einfach die #§$%&/##….“ mag man da förmlich den eigenen Bildschirm anschreien! Bei mir pocht dann immer die Ader am Hals ganz aggressiv 😉 Besonders „lustig“ wird das in der Regel bei sensiblen rechtlichen, steuerlichen oder gesundheitlichen Themen. Ich habe gar nicht mal so selten Antworten gelesen, die einen bei Befolgung potenziell in den Knast bringen könnten, mit dem inhaltlichen Wert auf etwa diesem Niveau:

„Ach, das musst du dem Finanzamt nicht angeben. Hat meine Katze gesagt.“

Warum antworten solche Trolle überhaupt auf solche Fragen? Sie dürften in der Regel auch nicht zu den Menschen gehört haben, die sich früher in der Schule gerne gemeldet hatten. Oder überhaupt eine besucht haben.

Eine zweite Sorte Menschen, die sich scheinbar gerne auf solchen Portalen tummeln, sind diejenigen ohne Ahnung aber großem Selbstbewusstsein, nämlich die vielen möchtegern-Ärzte, -Steuerberater und -Anwälte, die aber keine sind. Da wird dann einfach direkt und verhement irgend eine Desinformation rausgehauen und auf die eigene Meinung bestanden. Auch hier wieder besonders schön bei wichtigen und sensiblen Thematiken. Wenn es eben nicht fürs Medizin- oder Jurastudium gereicht hat, so kann man wenigstens mit dem Postcounter oder irgend einem Fähnchen neben dem Nickname angeben, der einen zweifelsfrei als „Profi“ ausweist.

Mich würde mal interessieren, wie viele Menschen schon wirklich nützliche Informationen auf solchen Portalen erhalten haben. Ich jedenfalls muss oft schon direkt auf die zweite Seite bei Google wechseln, weil die Erste eigentlich nur voll von solchem Spam ist. Was doch für ein wahnsinns SEO-Aufwand hinter so einem Mist stecken kann! Klassische Foren scheinen mir dagegen deutlich (!) häufiger von kompetenten Menschen bevölkert zu sein, sicher nicht zuletzt deswegen, weil sie meist auf ein bestimmtes Thema spezialisiert sind. Ich weiß aber wirklich nicht, warum gerade die Unwissenden Antwortgeber scheinbar so stark von diesen Wissenscommunities angezogen werden. Aber gut, solange sie dort bleiben, sind die Straßen vielleicht noch etwas sicherer. Damit man mich nicht falsch versteht: Es ist natürlich ein beträchtlicher Teil der Internetkultur, dass sich Menschen gegenseitig einen Rat geben und dies stelle ich auch nicht in Frage. Ich finde es einfach nur faszinierend, dass das geballte Unwissen sich genau dort signifikant zu versammeln schien, wo man Wissens- oder Ratgebercommunites errichtet hat. Schon paradox. Aber nun ja, „Galileo“ ist ja heute auch ein Wissensmagazin – ich war doch tatsächlich jahrelang fälschlicherweise der Ansicht, es sei ein Fachmagazin spezialisiert auf Wasserrutschentests.

Ich hoffe natürlich, dass meine Übertreibung in diesem Artikel klar wurde, doch die Tendenz zu verhältnismäßig häufigen Desinformationen ist mir selbst einfach schon viel zu oft aufgefallen. Man mag jetzt natürlich nicht ganz zu Unrecht argumentieren, dass ja auch ich hier in Blogform ungefragt meinen Rant raushaue und sicher nicht mit allem richtig oder korrekt liege, was ich so von mir gebe. Stimmt. Bestimmt. Aber genau das ist es ja: Mich hat eben niemand gefragt! 😛

greg

Blogger bei kleingebloggt
Servus! Mein Name ist Michael Gregor, ich bin E-Commerce Student an der FHWS, Blogger, Webworker und schon IT-Geek seit ich 1994 meinen ersten 386er hatte 🙂

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